Siegfried Anker geht mit Rollator / Bevenser Klinik weist Schuld an dem Unfall von sich

Sturz im Bad: HGZ-Patient klagt an

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21 Monate hatte er Schmerzen, nachdem er im Bad rückwärts in die Dusche gefallen ist: Siegfried Anker verklagt jetzt das HGZ Bad Bevensen.

Bad Bevensen/Lüneburg. Schwere Vorwürfe gegen das Herz- und Gefäßzentrum (HGZ) in Bad Bevensen gibt es von einem Unternehmer aus Lüneburg. Der 77-jährige Siegfried Anker war Ende April bis Anfang Mai 2009 in der Klinik.

Weil er Wasser im Körper hatte, hatte sein Hausarzt in Lüneburg ihn dorthin überwiesen. Dort gab es einen Unfall: Er hätte für einen Toilettengang nicht aufstehen dürfen, hatte aber auch keine Urinflasche am Bett. Im Bad fiel er rückwärts mit dem Steißbein in die Dusche. Mit fatalen Folgen: Seitdem ist er auf einen Rollator angewiesen und hatte 21 Monate lang starke Schmerzen. Nun zieht er gegen die Klinik vor Gericht, wirft ihr fehlerhafte Behandlung und eine Verletzung der Sorgfalts- und Aufsichtspflicht vor.

Dabei fordert er Schmerzensgeld und Schadenersatz in Höhe von 33 000 Euro. Die Behinderung treffe den Unternehmer hart: Er leitet vier Unternehmen in der mittlerweile sechsten Generation – inzwischen nur noch vom Schreibtisch aus. Eine Krankheit, die seine Mobilität einschränkt, kann er sich da kaum leisten. „Das ist alles das Resultat des Unfalls. Man hätte mir nur eine Flasche ans Bett legen müssen, dann wäre das alles nicht passiert“, sagt er. Nun werde er den Prozess gegen das HGZ führen, „was immer er kostet.“

Hintergrund des Unfalls war, dass Anker wegen des Wassers in seinem Körper Medikamente bekam, die entwässernd wirken. Deshalb musste er stündlich auf die Toilette. Nach einer Untersuchung des Herzens – eine transösophageale Echokardiographie, kurz TEE – stand er noch unter der Wirkung eines beruhigenden Medikamentes. Ein Gutachten eines Hamburger Arztes, das Anker und sein Anwalt Ulrich Kamps als Argument in den Prozess mitnehmen, bescheinige, dass dieses Mittel dafür gewirkt habe, dass Anker nach der TEE noch nicht voll orientierungsfähig gewesen wäre. Er lag in der Normalstation, dies sei aber wegen Ankers individuellem Zustand nicht fachgerecht gewesen, er hätte adäquat überwacht werden müssen. Anker, dessen Blase wegen des entwässernden Medikamentes drückte, und dem die Urin-Flasche am Bett fehlte, machte sich selbst auf den Weg zur Toilette. Dort prallte er mit dem Steißbein in die Dusche. Seitdem kommt er nicht mehr ohne Gehhilfe aus.

In einer Stellungnahme des HGZ – nach der Entbindung der Schweigepflicht – erklärt Sprecherin Birga Berndsen, dass Anker nach der OP über eine Stunde überwacht worden sei. Außerdem soll ihm erklärt worden sein, dass er sich melden solle, wenn er aufstehen müsse. Eine Urinflasche sei nach der OP nicht an seinem Bett gewesen. Das sei auch nicht üblich, „da Patienten angehalten sind, bei Harndrang eine Schwester oder einen Pfleger per Knopfdruck anzufordern, die umgehend den Patienten mit einer Urinflasche unterstützen“, so Berndsen.

Nach dem Sturz im Bad habe Anker nicht über Schmerzen geklagt. Stauchungen und Schwellungen hätten nicht festgestellt werden können. „Bei sämtlichen nachfolgenden Untersuchungen sowohl im HGZ als auch bei anderen Behandlern konnte keine Verletzung durch den Sturz festgestellt werden. Weder ein wenige Tage nach dem Sturzereignis erstelltes Röntgenbild der gesamten Lendenwirbelsäule noch eine ein Jahr nach dem Sturzereignis durchgeführte Computertomographie ergaben einen Hinweis auf eine frische oder ältere Fraktur“, so Berndsen. Vielmehr sei schon vor dem Sturz festgestellt worden, dass Anker degenerative Veränderungen habe. Schmerzen hätte er schon vorher im Rücken gehabt, sie strahlten auf die Beine aus. 2012 sei eine Neuropathie diagnostiziert worden, die zu Nervenschmerzen führen könne. Zwischem dem Sturz und den Schmerzen gäbe es keine Verbindung.

Die Verhandlung soll am 12. Februar 2014 am Landgericht Lüneburg beginnen.

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