Margrit Mackall-Schneefuß baute „Bevenser Hof“ zu hochmodernem Wohnhaus um

Ein Stück Geschichte lebt weiter

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Panorama-Balkone und ein großzügiger Hof, den sich die Bewohner selbst gestalten, sind auf der Rückseite entstanden.

Bad Bevensen. Unzählige Konfirmationen wurden hier gefeiert, Stammtische abgehalten, Feste gefeiert und Kegelrunden veranstaltet. Dann wurde es still um den „Bevenser Hof“. 2007 schloss das Haus seine Tore, stand seitdem mehrfach zur Zwangsversteigerung.

Heute erstrahlt das Gebäude mit der Hausnummer 10 am Krummen Arm wieder in neuem Glanz. Die Bevenserin Margrit Mackall-Schneefuß hatte den „Bevenser Hof“ Ende 2010 ersteigert und ihm neues Leben eingehaucht.

Konfirmationen oder Kegelabend allerdings stehen hier nicht mehr auf dem Programm. Zumindest nicht hauptsächlich. Denn aus dem ehemaligen Gasthaus nebst Pension ist ein Wohnhaus mit sechs Einheiten geworden. Die Wohnungen sind zwischen 70 und 120 Quadratmeter groß und allesamt bereits vermietet. „Vom Papier weg“, sagt Margrit Mackall-Schneefuß, die noch während der Umbauphase alle Mietverträge unterzeichnet bekommen hatte.

Helle, moderne und vor allem barrierefreie Wohnungen sind im „Bevenser Hof“ entstanden. An die Rückseite des Hauses wurden gläserne Panorama-Balkone gesetzt, und damit man den Ausblick von selbigen über die Kurstadt genießen kann, fährt man mit einem Hightech-Aufzug in die oberen Stockwerke. Von dort aus kann man auch den Hof überblicken, der den Bewohnern Platz zum Entspannen bietet.

Doch so neu auch alles geworden ist, so sorgsam hat Margrit Mackall-Schneefuß Acht darauf gegeben, dass auch alte Elemente in dem Modernen ihren Platz finden. So wurden Leuchten aus dem einstigen Gastraum aufgearbeitet und in das neue Ambiente integriert. Auch die Kegelbahn, auf der viele Bevenser in vergangenen Zeiten so manche gesellige Stunde verbracht haben, ist nicht einfach abgerissen worden – „obwohl das günstiger geworden wäre“, schiebt Mackall-Schneefuß ein – sondern hat eine Frischzellenkur erfahren und ist heute voll funktionstüchtig. „Hier können die Bewohner sich treffen oder Familienfeste feiern“, sagt die Eigentümerin des „Bevenser Hofes“, der bereits 1814 erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Vor allem von außen ist vieles so bewahrt worden, wie es immer gewesen ist. Das Haus trägt gleich zwei Mal den Schriftzug „Bevenser Hof“. „Weil die Leute auch immer noch ‘Bevenser Hof’ sagen, und nicht Krummer Arm 10“, so Margrit Mackall-Schneefuß. Die Fassade ist komplett erhalten worden. Sogar die Königsscheibe von Wilhelm Gasper, der 1879 Gastwirt des „Bevenser Hofes“ und 1909 Bevenser Schützenkönig wurde, hat über dem Torbogen wieder ihren Platz eingenommen.

Hinter der Fassade allerdings ist im vergangenen Jahr kein Stein auf dem anderen geblieben. 250 Tonnen Schutt haben die – überwiegend heimischen – Handwerker während der Kernsanierung von der Baustelle geschafft. Nachdem Margrit Mackall-Schneefuß den „Bevenser Hof“ erworben hatte, ging das Investieren erst so richtig los. „Einen hohen sechsstelligen Betrag“, hat die Bevenserin in die geschichtsträchtige Immobilie gesteckt.

„Eigentlich“, verrät die Investorin, „war erst ein Hotel angedacht“, und meint mit „wir“ sich selbst und ihren Mann Henning Schneefuß – der sich aber bescheiden im Hintergrund hält. „Das ist ihr Ding“, betont er mit einem wohlwollenden Lächeln in Richtung Gattin. Doch der Hotel-Gedanke wurde bald wieder verworfen, Mietwohnungen schienen Margrit Mackall-Schneefuß besser zu verwalten.

Vor 13 Jahren kam sie nach Bad Bevensen. Und Margrit Mackall-Schneefuß kann sich noch genau daran erinnern, wie ihr schon damals der „Bevenser Hof“ aufgefallen war. „Die Geranien an den Fenstern“, sagt sie, „die fand ich immer so schön.“ Dann folgte für das Haus eine weniger schöne Zeit. „Fünf Jahre lang habe ich dann den Niedergang des ‘Bevenser Hofes’ mitverfolgt“, erinnert sie sich an die Schließung und diverse Zwangsversteigerungstermine. Beim letzten Termin, im März 2010, schlug sie dann zu und kaufte das Haus für 60 000 Euro.

„Es war schon ganz schön mutig“, sagt die Bevenserin rückblickend. Denn in einem alten Objekt finden sich erfahrungsgemäß immer auch ungeahnte Risiken. Doch Margrit Mackall-Schneefuß ist froh, dass sie es gewagt hat. „Man konnte so auch etwas für Bad Bevensen tun und ein Stück Geschichte erhalten“, sagt sie, „und außerdem glaube ich ganz fest an den Standort Bad Bevensen.“

Von Ines Bräutigam

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