Mast mit Horst steht jetzt hinter dem Hof Lichte in Bode

Die Störche können kommen

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Horst Retzlaff von der Celle-Uelzen-Netz misst mit der Schnur nach, ob der Storchenmast senkrecht steht.

Bode – Am Anfang steht die Hoffnung. In Bode ist die Welt noch in Ordnung. Ein kleines Dorf mit 60 Seelen zwischen Wiesen und Bruchwald. Locker verteilt die Gehöfte. Bei Bauer Carsten Lichte scharren die Hühner im Auslauf.

Auf der Weide laufen die Ponys und Lamas des Nachbarn. Der Blick geht weit. Wenn sich jetzt auch noch Störche ansiedeln würden? Alles, was man dazu tun kann, wurde jüngst getan. Ein Holzmast mit einem Horstgeflecht steht jetzt im hinteren Hof.

„Hier sind schon jahrelang Störche zu Besuch. Letztes Jahr waren es im Sommer allein drei“, erzählt Lichte, der 180 Hektar Land bewirtschaftet und 300 Schweine mästet. So haben die Dorfbewohner beschlossen, dass ein Nistplatz her muss. Lichte hat den Standort bereitgestellt.

„Die Störche siedeln sich wieder vermehrt an“, stellt Waldemar Golnik vom Naturschutzbund (Nabu) fest. Aber der Standort muss stimmen. „Hier gibt es viele Wiesen mit Amphibien. In der Aufzuchtphase brauchen die Störche auch Regenwürmer“, weiß der Storchen-Experte. Und die Wiesen werden vom Vieh und durch Mähen kurzgehalten, so Golnik. „Das ist eine gute Möglichkeit, Störche anzusiedeln.“ Die Hoffnung: Wenn sich Jungstörche erst einmal auf dem künstlichen Horst ansiedeln, dann kommen sie jedes Jahr wieder. „Hier könnte es klappen“, meint Golnik.

Das Team ist eingespielt. Der Nabu stellt die runde Plattform. Die Celle-Uelzen-Netz kommt mit dem Kranwagen und bringt den Holzmast mit. Während der Mast über der ausgehobenen Grube hängt, misst Mitarbeiter Horst Retzlaff mit dem Band nach, ob er senkrecht steht. Ein Handzeichen reicht, und sein Kollege justiert den Stamm mit dem Joystick vor dem Bauch neu.

In dieser Konstellation wurden schon einige Storchenmasten im Kreisgebiet aufgestellt (AZ berichtete). Bislang überwog jedoch das Prinzip Hoffnung. „Besiedelt sind sie noch nicht“, räumt Golnik ein. „Aber es stehen immer wieder Störche darauf.“ Gebrütet hat Adebar bislang nur auf Schornsteinen in Kirchweyhe und Suhlendorf. „Aber wir haben die Hoffnung nicht aufgegeben.“

Vielleicht klappt es ja in diesem Jahr. Man weiß, dass Störche nicht gern auf dem 1,50 Meter breiten, blanken Metallrost nisten. Deshalb sind bereits die ersten Ruten eingeflochten. Sie stehen über die Plattform hinaus. Weiterbauen erwünscht.

Lichte fährt in der Schaufel seines Traktors Sand an. Mit dem Rüttler wird er verdichtet. Kaffee und Kuchen stehen auf der Wiese bereit. Einige Dorfbewohner sind gekommen. Und Lichte meint mit Augenzwinkern: „Damit das Dorf nicht ausstirbt, brauchen wir die Störche.“

VON GERHARD STERNITZKE

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