1. az-online.de
  2. Uelzen
  3. Bad Bevensen

Zapft Bad Bevensen die Energie aus der Tiefe ab Ende 2025 an?

Erstellt:

Kommentare

Geothermie-Anlage aus der Vogelperspektive.
Wird man bei der Bevenser Probebohrung fündig, soll die Energie aus mehreren tausend Metern Tiefe über ein Fernwärmenetz zum HGZ, zur Diana-Klinik, zur Therme und zum Rathaus geleitet werden. © symbolfoto: dpa

Bis 2030 sollen rund 50 Prozent der deutschen Wärmeenergie aus erneuerbaren Quellen stammen. Bundesregierung will dazu ein Konzept erarbeiten. In Bad Bevensen arbeitet man schon länger daran, heißes Wasser aus der Tiefe nutzbar zu machen. Genau gesagt seit 15 Jahren. Die Umsetzung scheiterte bislang an einer Bürgschaft des Landes für die Probebohrung. Die steht in Aussicht (AZ berichtete). Jetzt geht es um die Modalitäten.

VON GERHARD STERNITZKE

Bad Bevensen – „Es ist klar, dass wir einen Zuschuss von 90 Prozent der Probebohrung bekommen, die 10,2 Millionen Euro kostet“, berichtet Stadtdirektor Martin Feller auf AZ-Nachfrage. „Die Zusage besteht mündlich, und es gibt einen Schriftverkehr mit dem Land.“ Nun gehe es um die Modalitäten, wann und wie die Ausfallbürgschaft bei einem Erfolg der Bohrung zurückgezahlt werden muss. Zudem muss die Kurstadt die Finanzierung des auf Gesamtkosten von 30 Millionen Euro teuren Projekts nachweisen. Hierzu werde die Wirtschaftlichkeitsberechnung aktualisiert.

Die Geothermie-Anlage, die auf einem stadteigenen Waldstück östlich des Elbe-Seitenkanals geplant ist, soll der große Wurf für die städtische Energieversorgung werden. Mithilfe von starken Pumpen und Wärmetauschern gelangt die Heizenergie über eine rund zwei Kilometer lange Fernwärmeleitung zu den großen Verbrauchern, dem Herz- und Gefäßzentrum, der Diana-Klinik, der Jod-Sole-Therme, dem Kurhaus und dem Rathaus gelangen. Auch die Kooperative Gesamtschule (KGS) könnte versorgt werden, für die der Kreis zuständig ist.

„Bad Bevensen will energieautark werden“, betont der Stadtdirektor. Die Investitionssumme teilt sich die Stadt mit den anderen Abnehmern. Mit dem Kliniken unter dem Dach der Diana-Kliniken AG laufen bereits Verhandlungen über einen Gesellschaftervertrag für die Geothermie-Durchführungsgesellschaft. „Dadurch kommen wir ganz schnell in die Rendite, weil wir keinen Vertrieb brauchen“, erklärt Feller.

Das warme Wasser aus der Tiefe war schon in der Vergangenheit ein Glücksfall für die Kurstadt. Ohne die in den sechziger Jahren anstelle von Erdöl entdeckte Jod-Sole-Quelle wäre der Aufstieg zum Heilbad nicht denkbar gewesen. Ob die Stadt ein zweites Mal, wie erwartet, auf heißes Wasser trifft, müssen seismische Voruntersuchungen und anschließend die Probebohrung erweisen. Ein zu hoher Salzgehalt wäre in diesem Fall allerdings eher hinderlich.

Bei der Bohrung fährt die Stadt zweigleisig. In 2400 Metern Tiefe wird Wasser mit einer Temperatur von 95 Grad erwartet, was einer Leistung von 3,7 Megawatt entspricht. Wird man dort nicht fündig, könnte noch tiefer gebohrt werden. In 3300 Metern geht das Machbarkeitsgutachten von einer Temperatur von 128 Grad aus. Das wären dann 7,3 Megawatt Leistung.

Der Zeitplan für das Erneuerbare-Energien-Projekt hängt vom Zeitpunkt der schriftlichen Bewilligung des Zuschusses ab. Im Idealfall könnte laut Stadtdirektor 2024 mit dem Bau der Anlage begonnen werden. Ende 2025, Anfang 2026 könnte sie in Betrieb gehen.

Angesichts der Energiekrise stellt sich auch die Frage, ob die Energie aus der Tiefe nicht auch zum Beheizen von Hotels und Privathäusern genutzt werden könnte. Hierzu wäre allerdings eine zweite Bohrung nötig, um genug Heizenergie zu gewinnen. Wie viel Abstand von der jetzt geplanten gehalten werden muss und ob dort heiße Wasserhorizonte zu finden sind, müsste in einem neuen Gutachten geklärt werden.

Auch interessant

Kommentare