Maike Schulz-Broers bringt ihre Berufskollegen zusammen

Stadorf: Bauernprotest auf der Autobahn

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„Es geht um unser aller Existenz“: Das Stadorfer Bauern-Ehepaar Maike Schulz-Broers und Karsten Schulz. Die Facebookgruppe „Land schafft Verbindung“ ist in einer Woche auf 11.000 Mitglieder gewachsen.

Stadorf – Von ihrem Erfolg ist Maike Schulz-Broers selbst überrascht. Vor einer Woche hat sie die Facebook-Gruppe gegründet, um die Bauern zusammenzubringen. Inzwischen haben sich fast 11 000 Menschen „Land schafft Verbindung“ angeschlossen.

Sie alle verbindet der Widerstand gegen das Agrarpaket und die Düngeverordnung der Bundesregierung. Nach dem stillen Protest der grünen Kreuze (AZ berichtete) plant die Initiative um die Stadorfer Bäuerin, die bereits eine Demonstration in Uelzen organisierte, nun weitere öffentlichkeitswirksame Protestformen.

Der Tag, an dem die Landwirte ihrem Unmut Luft machen wollen, ist Dienstag, der 22. Oktober. Bauern aus den Landkreisen Uelzen und Lüneburg werden dann mit ihren Traktoren bei Soltau auf die A 7 auffahren, kündigt Maike Schulz-Broers an. Um 11 Uhr hat die Initiative eine zentrale Kundgebung auf dem Münsterplatz in Bonn angemeldet. 10 000 Bauern und Menschen aus landwirtschaftsnahen Branchen mit 1000 Treckern sollen kommen. Der Ort ist nicht ohne Grund gewählt. Hier hat das Bundeslandwirtschaftsministerium seinen Sitz.

„Wir wollen nicht, dass über uns geredet wird, sondern wir wollen miteinander reden“, sagt die 48-Jährige. „Wir erwarten, dass man mit uns spricht. Es geht um unser aller Existenz.“ Sprechen wollen die Bauern mit Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, mit Umweltministerin Svenja Schulze, aber auch mit den Verbänden, die neue Auflagen für die Bauern fordern. Denn durch die Neuregelungen verschlechtere sich die wirtschaftliche Situation der Familienbetriebe, die ohnehin unter Niedrigpreisen und Dürrefolgen leiden, weiter.

„Durch die Verschärfungen beim Pflanzenschutz werden uns viele Mittel weggenommen, für die wir in der kurzen Zeit keine Alternativen haben“, berichtet ihr Mann Karsten Schulz. Und wenn er auf den Flächen seines 160-Hektar-Ackerbaubetriebs pauschal 20 Prozent weniger Dünger streuen dürfe, dann wirke sich das direkt auf sein Betriebseinkommen aus. „Wenn dann nicht genug Eiweiß im Weizen ist, kann ich ihn nur noch als Futtergetreide verkaufen“, erklärt der 49-Jährige. Überhaupt verunsichert ihn die Vielzahl der Auflagen und Dokumentationspflichten: „Du kriegst immer das Gefühl: Darfst du das eigentlich, was du tust?“

Es geht der Initiative ums Grundsätzliche, das negative Bild, das in der Gesellschaft von den Landwirten gezeichnet wird. „Wir Landwirte arbeiten mit der Natur“, sagt Karsten Schulz. „Wir wollen unsere Betriebe erhalten. Ich möchte, dass mein Sohn weitermacht.“ Dabei geht es ums Geld. Die meisten Verbraucher kaufen konventionelle Ware. Wenn der Preis stimmt, würde Schulz auch auf Bio umstellen.

VON GERHARD STERNITZKE

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