Der Fernsehklassiker „Dinner for one“ in einer speziellen Variante im Bevenser Kurhaus

Ein Sketch und die Qual des Akteurs

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Klaus trat jahrelang mit seiner Ex-Partnerin Elvira als Komiker-Duo auf. Weil die Engagements ausblieben, hat sich das Duo auf James und Miss Sophie spezialisiert.

Bad Bevensen. Das Schauspiel kann eine Qual sein. Mit etwas Pech für jene, die es sich anschauen, viel häufiger aber für diejenigen, die es praktizieren.

Der Beweis torkelt mit Butler James jedes Jahr aufs Neue über die Fernseh-Bildschirme, wenn Millionen Menschen zu Silvester mit dem Sketch-Klassiker „Dinner for One“ das Jahr beenden. 

„Dinner for one“ spielte am Freitagabend im Kurhaus in Bad Bevensen sozusagen auf zwei Ebenen. 

Wenn nämlich James, wie gewohnt, zum neunzigsten Geburtstag von Miss Sophie deren Gäste mimt – und jeder lacht, denn das ist Tradition. Die Qual stolperte am Freitagabend nun mit doppelter Wucht über den Tigerschädel auf der Bad Bevenser Kurhausbühne. Denn, besonders schlimm trifft es denjenigen, der im Hier und Jetzt den James zu spielen hat, als solcher natürlich auch die vier beschwipsten Freunde seiner betagten Chefin und letztlich sogar den Schauspieler, dem die gesamte Tragödie anvertraut wird – also quasi sich selbst.

Das klingt kompliziert? Ist es auch, weiß Justus Carrière, der in der Rolle des wohl bekanntesten Butlers der Welt zu sehen war, und obendrein die Figur des halb-professionellen Schauspielers Klaus verkörperte. Klaus, der mit seiner Ex-Partnerin Elvira (Iduna Hegen) jahrelang als Komiker-Duo auftrat, das jetzt, in Ermangelung patenter Alternativen, als James und Miss Sophie den Showbetrieb bereichern soll. Das Problem: Beide können nicht zwischen Privatem und Beruflichem trennen...

Grenzüberschreitungen vollziehen sich an diesem Abend auf allen Ebenen. So ist etwa die fiktive Handlung mit der einen oder anderen Wahrheiten aus dem realen Theaterbetrieb gewürzt, meint zumindest Carrière. „Der Schauspieler will den Job und als Regisseur will ich den mit dem besten Schauspieler besetzen – aber bekomme eigentlich nie den richtigen“, sagt der Profi. Das Theater im Theater im Theater sei für ihn „eine riesige Konzentrationskiste“ gewesen.

Des einen Arbeit ist des anderen Freud: Während Carrière und Kollegin Iduna Hegen als Klaus und Elvira die Fetzen fliegen lassen – und als James und Miss Sophie die Korken – erfreuen sich Zuschauer wie Roland und Marlies Schulz daran, was als nächstes passiert. Denn da greift Carrières simple Gleichung des Sketch-Erfolgs: „Das Publikum kennt den Inhalt und was es kennt, darüber lacht es am meisten.“ Vor dem Fernseher genauso wie im Theatersaal, wo die Qual am Freitagabend überzeugend gespielt, nur ein winziges bisschen real – und für viele ein Genuss war.

Von Anna Petersen

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