Zwei Künstlerinnen als Schiffsbauer

Simone Fezer schafft mit einer estnischen Kollegin ein Hanse-Denkmal für Lüneburg

Schiffsrumpf am Haken eines Frontladers.
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Der von Künstlerin Simone Fezer geschaffene Schiffsrumpf aus Stahl hängt am Frontlader eines Traktors.
  • Gerhard Sternitzke
    VonGerhard Sternitzke
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Die Bohndorfer Glaskünstlerin Simone Fezer gestaltet zusammen mit einer estnischen Künstlerin ein Hansedenkmal für Lüneburg. Es wird demnächst aufgebaut.

Bohndorf/Lüneburg – Am 18. September ist die Schiffstaufe. Das Boot – vier Meter lang und drei Meter hoch – wird nicht auf Wellen schaukeln, und vermutlich wird auch keine Flasche Champagner an seinem Rumpf zerschellen, aber es verbindet doch im übertragenen Sinn zwei Hansestädte: Lüneburg und die Partnerstadt Tartu. Das Schiff, Symbol für den historischen und den neuen Hansebund, wird auf dem Hanseplatz im neuen Lüneburger Hanseviertel festmachen.

Die Schiffswerft befindet sich in Bohndorf. Die Künstlerin Simone Fezer – in diesem Jahr mit dem Kunstpreis des Lüneburgischen Landschaftsverbands ausgezeichnet (AZ berichtete) – erstellt die Skulptur unter dem Titel „Segel setzen“ gemeinsam mit ihrer estnischen Kollegin Eike Eplik.

Die Glaselemente des Hanse-Denkmals werden zweimal bei 850 Grad eingeschmolzen und in die Formen abgesenkt.

Mit einem Stahlbauer hat Simone Fezer seit April den geschwungenen Schiffsrahmen gebaut, mit einem Mast, der wie ein Baum aus dem Rumpf wächst, und einem aufgeblähten Segel. „Das Thema ist die Hanse, aber uns geht es um Aufbruch, den man in eine neue Zukunft tätigen muss“, erklärt die Glaskünstlerin. „Die Wirtschaft, und die Hanse, braucht den Aufbruch in eine neue Zeit.“

Das Heck des kleinen Schiffs ist wie ein Schwanz geformt, der im Boden verankert sein wird. „Das ist unsere Verwurzelung“, betont Simone Fezer. Verwurzelung und auf der anderen Seite stürzende Dynamik tauchen auch in anderen Werken der an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste in Stuttgart lehrenden Künstlerin auf.

Massive, bernsteinfarbene Gläser sollen die Schiffsplanken andeuten. „Sonnengoldgelb“ wird das Segel leuchten. Zweimal wird das Glas im Atelier in Bohndorf geschmolzen und anschließend in die Formen aus Gips und Schamotte abgesenkt – eine schweißtreibende Arbeit.

Erst vor Kurzem erhielt Glaskünstlerin Simone Fezer aus Bohndorf den Kunstpreis des Lüneburgischen Landschaftsverbands aus der Hand des Vorsitzenden Dr. Heiko Blume.

Die Basis des Werks, die Verwurzelung wird die Tartuer Keramikerin Eike Eplik gestalten. Sie hat organisch geformte Erdformen erstellt. Das Schiff soll mit einer Rankpflanze begrünt werden. Salzkristalle, vielleicht Muscheln oder die Rentierflechte, die an dem Platz gefunden wurde, kann man sich vorstellen.

Die Beiden Künstlerinnen sind in einem Bildhauer-Symposium der Stadt und der Lüneburger Sparkassenstiftung ausgewählt worden. Stichworte waren Hanse, Salz, Wasser und Handel. „Bei der Auswahl war unter anderem die Kompatibilität beider Künstlerinnen ein Kriterium“, heißt es auf der Internetseite des Symposiums. „Beide Künstlerinnen bestechen in ihren Werken mit biomorphen Formen, die ihnen eine besondere Ausdruckskraft verleihen. Auch die Rolle von Mensch und Natur ist häufig ein Thema der beiden.“

Jetzt hat die heiße Phase begonnen. Laut Hansestadt sollte ab gestern das Fundament gegossen werden. Am 3. September will Simone Fezer das Schiffsgerüst aufstellen. Ab 8. September arbeiten beide Künstlerinnen vor Ort an dem Werk.

• Weitere Informationen zum Lüneburger Hansedenkmal, zu seiner Bedeutung und zum Entstehungsprozess im Internet unter www.bildhauersymposium-lueneburg.de.

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