Bürger machen mit Hinweisschildern auf Wölfe aufmerksam

In Brockhimbergen: Schwieriger Alltag mit den Wölfen

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ib Brockhimbergen. Wenn es dunkel wird in Brockhimbergen, dann wird vielen Einwohnern des kleinen Ortes mulmig: Seitdem Wölfe vor einem Monat mehr als 20 Stück Damwild auf einer Weide am Ortsrand gerissen haben, sehen die Brockhimberger die Raubtiere fast täglich.

Den Alltag von Bürgern wie Joann Evers, Nadine Gafcke mit Tochter Lea, Hendrik Friederichs und Pascal Erbstößer (von links) beeinträchtigt das enorm. Sie haben an den Ortseingängen jetzt kleine Zusatzschilder installiert: „Vorsicht freilebende Wölfe“ ist darauf zu lesen.

„Ein diffuses Gefühl von Unsicherheit“

Brockhimbergen. „Wir wollen ein Zeichen setzen“, sagt Hendrik Friederichs. Ein Zeichen setzen dafür, wie schwierig der ganz normale Alltag inzwischen in Brockhimbergen geworden ist. Denn seitdem Wölfe im Dezember am Ortsrand mehr als 20 Damwildtiere gerissen hatten, ist für Friederichs und seine Nachbarn nichts mehr wie zuvor. Sie haben jetzt an allen fünf Ortseingängen von Brockhimbergen Schilder aufgehängt, auf denen „Achtung freilebende Wölfe“ steht.

Kommentar: Der Wolf braucht Grenzen

„Es herrscht im Ort so ein diffuses Gefühl von Unsicherheit“, beschreibt er die Lage, „denn es vergeht kaum ein Tag, an dem kein Wolf gesehen wird. Sie sind ständig da.“ Friederichs und seinen Mitstreitern liegt daran, zu verdeutlichen, dass nicht nur die Weidetierhalter mit der Anwesenheit des Wolfs fertig werden müssen, „auch wir als ganz normale Bürger sind betroffen“, betont er und schildert die Sorge einer jungen Mutter, die bislang ihr Kind sorgenfrei auf dem Hof am Ortsrand spielen ließ. Damit aber sei es nun vorbei, berichtet Hendrik Friederichs. Kinder im Ort seien kaum noch unbeaufsichtigt im Freien. Friederichs gehört zu jenen Freiwilligen, die gleich nach der Wolfsattacke auf die Damwildherde von Jochen Strampe einen Elektrozaun um die Weide gezogen und nächtelang die Weidetiere bewacht hatten. Denn die Wölfe kamen, wie berichtet, immer wieder zurück. „Ob man da in die Hände geklatscht hat, um sie zu vertreiben, oder nicht – das hat die überhaupt nicht interessiert“, berichtet er. Er selbst gehe nur noch mit einem unguten Gefühl joggen, seitdem er von der Allgegenwart der Raubtiere wisse. „Und schon gar nicht im Dunkeln.“ Unter den Aktiven, die jetzt die Hinweisschilder an den Ortseingängen angebracht haben, ist auch der Organisator des Göhrdelaufs, berichtet Hendrik Friederichs. „Der macht sich natürlich auch seine Gedanken, wie die Veranstaltungen überhaupt ablaufen soll.“

Die Realität, glaubt der Brockhimberger, habe die Theorie inzwischen eingeholt: „Vor einem Jahr hieß es noch, man werde den Wolf gar nicht zu Gesicht bekommen“, erinnert Friederichs. „Aber das ist nicht so. Hier ist er ständig da.“

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