Schwester belastet ihren Bruder

Prozess um Bevenser Stadtfest-Schlägerei: 19-Jährige sagt gegen 20-jährigen Angeklagten aus

+
Während andere beim Bevenser Stadtfest 2016 friedlich feierten, eskalierte am Rande des Spektakels ein Streit, bei dem drei Jugendliche teils schwer verletzt wurden.

Bad Bevensen. Drei Jugendliche waren am Rande des Bad Bevenser Stadtfestes 2016 bei einer Schlägerei teils schwer verletzt worden. Daran gebe es auch nichts zu zweifeln, stellte die Vorsitzende Jugendrichterin am Amtsgericht Uelzen, Claudia Hagemann, gestern fest.

Die große Frage sei nur: „Wer war’s?“ Und das Finden einer Antwort auf diese Frage gestaltet sich auch gestern, beim nunmehr dritten Verhandlungstag, schwierig.

Auf der Anklagebank sitzen ein 43 Jahre alter Mann und sein 20-jähriger Stiefsohn S.. Beide jedoch konnten bislang von keinem der inzwischen zahlreich vernommenen Zeugen eindeutig identifiziert werden. Auch die Frage danach, wer wann zu welchem Zeitpunkt wo genau gewesen ist, darüber gibt es immer wieder unterschiedliche Angaben. Gestern allerdings belastet die 19-jährige Schwester des jüngeren Angeklagten ihren Bruder schwer: Während ihre Mutter und ihre ältere Schwester die Aussage in der Sache verweigern, sagt sie gegen den jungen Mann aus.

Sie sei an jenem Stadtfestabend früher als ihre Familie nach Hause gegangen – ihr beschuldigter Bruder sowie der Stiefvater, ihre Mutter und ihre Schwester seien etwa eine halbe Stunde später dort eingetroffen. Allesamt offenbar deutlich alkoholisiert. „Meine Schwester hat mir dann gesagt, dass S. zugeschlagen hat“, schildert sie dem Gericht mit leiser Stimme und spürbar emotional berührt. Auf dem Hof der Familie haben sich in dieser Nacht scheinbar tumultartige Szenen abgespielt: Ihre Mutter sei kollabiert – möglicherweise auch wegen des Alkohols –, ein Krankenwagen musste gerufen werden. Ihr Bruder sei derweil kurz nach seinem Eintreffen auch schon wieder verschwunden gewesen. Offensichtlich habe er sich versteckt, sagt die 19-Jährige.

Das Verhältnis zu ihrem Bruder sei „einigermaßen o.k.“, das zu dem Freund ihrer Mutter, dem zweiten Angeklagten, „nicht so gut“. Es gebe kaum Berührungspunkte zu ihm, schildert die Zeugin leise. Auch das Verhältnis zu ihrer Mutter beschreibt die junge Frau als „nicht so gut“, und nach dem besagten Vorfall sei es „noch schlimmer“ geworden.

Die 19-Jährige lebt allein, wohnte zuvor jedoch bei einer Freundin, deren Nachbarin die bei der Schlägerei verletzte 16-jährige A. ist. Bei einem Zusammentreffen der drei jungen Frauen im Dezember 2016 sei das Gespräch auf den besagten Stadtfest-Vorfall gekommen, und die Schwester des Angeklagten hatte sich den beiden anderen Frauen anvertraut, dass ihr Bruder der Schläger gewesen sei. „Ich habe mich schuldig gefühlt“, sagte sie und habe dem Opfer helfen wollen, mit dem sie inzwischen befreundet sei.

Dass sie sich nicht wohl in ihrer Haut fühlt, ist der jungen Frau gestern anzumerken. Derjenige, den sie mit ihrer Aussage belastet, sitzt nur wenige Meter von ihr entfernt und verzieht keine Miene. Angst, sagt sie auf Nachfrage der Richterin, habe sie aber nicht vor ihm. Nicht mehr. Denn anfangs habe sie nicht zur Polizei gehen wollen, weil sie befürchtet habe, dass ihr Bruder dann „eine Ansage macht“. Auch ihre Mutter und der ältere Angeklagte hätten sie unter Druck gesetzt, nicht gegen den Bruder auszusagen, schildert die 19-Jährige.

Am Donnerstag, 3. Mai, um 9.15 Uhr wird die Verhandlung am Uelzener Amtsgericht fortgesetzt.

Von Ines Bräutigam

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare