Medingen: Elfjährige Lena hilft gestürzter stark blutender 90-jähriger Rentnerin

Schutzengel rettet Leben

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Engagiert auf ganzer Linie: Lena ist bei der Jugendfeuerwehr und dem kreisweiten Schutzengel-Projekt aktiv.

Medingen. Lena ist 11 Jahre alt, Fünftklässlerin der Fritz-Reuter-Schule. Es ist kurz vor Mittag. Lena hat heute eher Schulschluss als geplant. Ein Umstand, der ein Leben rettet.

Mit dem Fahrrad fährt das Mädchen in das ruhige Medinger Wohngebiet, in dem sie zu Hause ist. Plötzlich hört sie Hilferufe, klägliche Schreie. Statt ängstlich das Weite zu suchen oder vor Schreck gelähmt zu verharren, macht Lena das, was sich manch Erwachsener wohl nicht trauen würde. Mit ihren elf Jahren stellt Lena ihr Rad ab und rennt los, immer den Rufen nach. Sie findet ihre Nachbarin von gegenüber, eine alte Dame, über 90. Sie ist gestürzt, liegt auf dem abschüssigen Steinweg an der efeuberankten Hauswand, blutet stark, ist noch ansprechbar und klagt über heftige Kopfschmerzen.

Eine andere Nachbarin kommt hinzu. Kurze Verständigung, dann rennt Lena los, greift zum Telefon, wählt 112. Sie klärt deutlich die W-Fragen – wer ruft an, was ist passiert... Lena handelt folgerichtig und zügig. Sie geht zurück zur Verletzten, wartet ab bis der Rettungsdienst da ist, beobachtet das weitere Geschehen. „Die Sanitäter haben sehr laut gesprochen. Kurz und bündig. Die Frau sollte sich aufrichten, konnte aber nicht“, berichtet die junge Retterin. Nach wenigen Minuten wird die ältere Dame abtransportiert und ins Krankenhaus gebracht. Und Lenas Knie beginnen zu schlottern: „Ich war ziemlich aufgeregt“, erinnert sie sich an diese Minuten. Zur Beruhigung ruft sie ihre Mutter bei der Arbeit an und schildert kurz, was passiert ist – als Belohnung gibt es für die Lebensretterin ein Eis. Abends folgt dann der ausführliche Bericht – mit einer nachdenklichen Lena: „Ich habe da doch noch zwei Walker auf der Straße gesehen, die müssen die Frau doch auch gehört haben. Was wäre gewesen, wenn ich nicht eher frei in der Schule gehabt hätte? Hier sind tagsüber doch gar nicht so viele Menschen …“

Der alten Dame geht es derzeit nicht gut. Sie ist ins künstliche Koma versetzt worden. Ihr Sohn, von der anderen Nachbarin alarmiert, kommt zu Lena und bedankt sich bei dem Mädchen mit einen Buchgutschein. Gesten, die aus Sicht der Fünftklässlerin nicht nötig sind. Abwehrend hebt sie die Hände: „Das war doch selbstverständlich.“ Wie sie im Notfall reagieren muss, weiß Lena durch die Feuerwehr: „Ich war bei der Jugendfeuerwehr in Bevensen und habe vor einem Jahr die Jugendflamme gemacht.“ Ihre Mutter ergänzt: „Wir sind eben eine Feuerwehrfamilie – da ist man da, für die, die in Not sind, und hilft ohne langes Wenn und Aber. Das haben wir auch vorgelebt.“ Verlegen und stolz zugleich öffnet Lena ihre rote Jacke: Darunter ist ein Shirt mit dem Schutzengelzeichen zu sehen – bei der Aktion für ehrenamtliche Helfer war sie auch dabei.

Von Ute Bautsch-Ludolfs

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