Bienenbüttel: Erstmalige Zucht von Maremmen Abruzzenschäferhunden in Deutschland

Schutz für Herden gegen Wölfe

Familienglück: Insgesamt acht gesunde Welpen brachte die Maremmen Abruzzenschäferhündin in Bienenbüttel zur Welt. Die Hunderasse gilt als sehr familienfreundlich. Foto: Montag-Jansen

Bienenbüttel. Entspannt wie immer begrüßt Castella Gäste an der Haustür. Nichts deutet daraufhin, das die Hündin drei Tage zuvor acht gesunde Welpen geboren hat.

„Und“, runzelt Besitzerin Christine Blümlein sorgenvoll die Stirn, „es musste in einer Notoperation ein toter Welpe durch einen Kaiserschnitt geholt werden. “.

Doch die anderen sind fit und durch gute ärztliche Versorgung scheint die Hundemutter wohlauf. Dieses besonnene Verhalten sei aber ein Charaktermerkmal jener Rasse, erklärt Blümlein und informiert über die ungewöhnliche Hundeart. „Ursprünglich waren wir vor ein paar Jahren auf der Suche nach einer familienfreundlichen Hunderasse, durch die sie sich in ihrem neuerbauten Haus beschützt fühlen wollten.“ Durch intensive Recherchen seien sie auf eine Zucht italienischer Maremmen Abruzzen Schäferhunde gestolpert, die sich ihrer Familie, ob nun Schafe oder Menschen, stark anpassen.

In Italien werden diese Herdenschutzhunde ab einem Alter von acht Wochen in die zu bewachende Herde zum Schutz vor Wolfsübergriffe integriert. Vor fünf Jahren hätten sie sich nur einfach in den charakterstarken Hund verliebt, doch im Laufe der zunehmenden Einwanderung von freilebenden Wölfen haben die Herdenschutzprogramme in Deutschland an Gewicht gewonnen. In Zusammenarbeit mit Wolfsberatern und Interessenten entwickelte sich die Idee,eine systematische Zucht für den Herdenschutz in Deutschland auf zu bauen. Während in der Schweiz bereits Hirtenhunde zum Schutz von Nutztieren staatlich gefördert werden, ist bisher nur in der Lausitz die Notwendigkeit dieser Rassen klar, weil sich dort seit zehn Jahren die ersten freilebenden Wölfe ausgebreitet haben. Es wird mit Hirtenhunden verschiedener Arten abenteuerlich und noch nicht erfolgsversprechend experimentiert. „Durch intensive Betreuung von Castella fiel uns auf, wie instinktsicher sie den Ursprung ihres Charakters beibehalten hat“, beobachtete Blümlein und suchte lange nach einem entsprechenden Vater für die Zucht, um die Qualität bei zu behalten. Durch die Entwicklung der letzten Jahre wünscht sich Familie Blümlein eine verantwortungsvolle Zucht, um die Kultur von Hirtenhunde für Nutztiere wieder zu etablieren. Doch vorerst stehen die Welpen zu Hause im Vordergrund. Ein lauter werdendes „fiepen“ unterbricht das Fachgespräch, gemächlich macht sich Mutter Castella auf den Weg zu ihren Babies. Noch könnten es auch Meerschweinchen sein, würden nicht die supersüßen Schwänze ewig in Bewegung sein.

Von Britta Montag-Jansen

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