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Schockierende Zustände bei kleinen Wehren: Keine Toiletten

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Von: Gerhard Sternitzke

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Der kleine Schulungsraum im Groß Hesebecker Gerätehaus
Der kleine Schulungsraum im Groß Hesebecker Gerätehaus ist zu klein für die 59 Mitglieder der Fusionswehr von Ortsbrandmeister Dirk Baum. © Sternitzke, Gerhard

In den Feuerwehrhäusern der kleinen Ortswehren herrschen zum Teil schlimme Zustände: Keine Heizung, keine Toilette, nicht genug Platz. Nun gibt es Befürchtungen, dass der versprochene Neubau nicht umgesetzt wird.

Gollern/Groß Hesebeck – Besuch bei der Feuerwehr. Im Fenster stehen die glänzenden Erinnerungen an vergangene Erfolge. Die Reihe der Pokale von gewonnenen Wettbewerben setzen sich in einem Regal im kleinen Schulungsraum fort. Die Gegenwart ist weniger hell. Die Hesebecker Feuerwehr hat sich mit denen in Gollern und Röbbel zusammengeschlossen, doch die Feuerwehrhäuser stammen tief aus dem 20. Jahrhundert. Nun befürchtet die Fusionswehr, dass das versprochene neue Gerätehaus nicht gebaut wird.

„Das Feuerwehrhaus ist uns versprochen worden. Die Politik hat bislang nicht Wort gehalten“, sagt Ortsbrandmeister Dirk Baum. Das erst vor vier Jahren angeschaffte Tragkraftspritzenfahrzeug hinter dem Rolltor passt gerade so in die Garage. Damit die Türen beim Einsteigen nicht gegen die Wand schlagen, haben die Kameraden Gummiplatten an der Wand montiert. Ein Kabel versperrt den Weg zur Fahrertür.


Nebenan der Schulungsraum. Das Loch im Dach konnten die Feuerwehrleute glücklicherweise noch einmal flicken. Tische und Stühle stammen aus der alten Uelzener Polizei. Die Spinde, die früher im abgerissenen Bevenser Kurhaus standen, reichen nur für sogenannte Zweitfeuerwehrleute aus anderen Wehren, die in Groß Hesebeck arbeiten. Ihre Kameraden müssen die Einsatzkleidung von zu Hause mitbringen und fahren darin wieder nach Hause.

„Wir haben keine Heizung, kein fließendes Wasser, keine Toilette, kein nichts“

Für Schulungen steht ein Heizlüfter in der Ecke. „Wir haben keine Heizung, kein fließendes Wasser, keine Toilette, kein nichts“, erklärt der Ortsbrandmeister. „Man müsste viel Geld reinstecken.“ Lediglich ein Spender für Desinfektionsmittel ist an der Wand angebracht. Haben sie Ruß an den Händen, können die Feuerwehrleute ihn erst zu Hause abwaschen.

1985 ist das Feuerwehrhaus zum letzten Mal umgebaut worden. Elektrische Anlasser für die Wasserpumpe gab es früher nicht. Sie wird über das Kabel in der Fahrzeughalle aufgeladen, ebenso wie Atemschutzgeräte. Damit die nicht einfrieren, lassen die Brandschützer die Tür zum Schulungsraum offen. Bei strengem Frost werden die Geräte beim Nachbarn untergebracht. „Das bedeutet, dass es länger dauert, wenn wir losfahren“, betont Baum.

Die Kooperationen der Feuerwehren und die für sie geplanten neuen Gerätehäuser waren eine Antwort auf den festgestellten Nachholbedarf. „In der Samtgemeinde sind Feuerwehrhäuser vorhanden, die keinerlei Anforderungen der heutigen Rechtsvorgaben erfüllen“, heißt es im 2018 beschlossenen Feuerwehrbedarfsplan der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf. Viele seien auch zu klein oder zu eng. „Es wird auch nicht möglich sein, alle Standorte auf den jetzigen Stand der Technik zu bringen.“

40 Feuerwehrgerätehäuser gibt es in der Samtgemeinde, nur 26 verfügen laut Bedarfsplan über einen Schulungsraum. In zwölf von ihnen gibt es keine Toilette, lediglich die Hälfte der 40 verfügt auch über ein WC für die weiblichen Aktiven.

„Wir müssen junge Leute für den Dienst in der Feuerwehr gewinnen. Frauen gehören zu uns. Ohne sie werden wir es nicht schaffen“, ist Baum überzeugt, der auch als stellvertretender Gemeindebrandmeister fungiert. „Das sind Kleinigkeiten, aber ohne die kann das nichts mehr werden.“

Ins Gollerner Feuerwehrgerätehaus geht es durch den Hintereingang. Davor der „Schulungsraum“, eine überdachte Terrasse. Hinter der Tür eine Blechgarage. Darin ein Mannschaftswagen und das ordinale Tragkraftspritzenfahrzeug aus dem Jahr 1985 – ohne Sicherheitsgurte und Kopfstützen und nur mit einer Pritsche als Rücksitz, aber immer noch regelmäßig im Einsatz.

Der Oldtimer soll ausgemustert werden, das baugleiche Fahrzeug der Röbbeler Wehr wird jedoch an die Kollegen in Natendorf-Golste weitergegeben. „Es ist nicht richtig, dass wir Fahrzeuge ohne Weiteres austauschen“, stellt Baum klar.

Die Schulungen sind nicht nur bei der Fusionswehr, sondern bei vielen kooperierenden Wehren ein großes Problem. „Wenn man draußen tagt, kommen die Mitglieder nur kurz oder sie bleiben nicht lange“, erzählt Baum. Und sein Schulungsraum in Groß Hesebeck reicht nicht für die 59 Mitglieder. Als Zwischenlösung trifft man sich in Schmidts Gasthaus. „Wir haben keine Möglichkeit, praktische Übungen durchzuführen“, gibt der Ortsbrandmeister zu bedenken.

Immerhin: Das vor zwei Wochen ausgelieferte neue Löschfahrzeug der Fusionswehr passt in der Gollerner Gerätehaus. „Fahrzeugmäßig sind wir gut aufgestellt“, räumt Baum ein. Für die Gerätehäuser gilt das nicht. „Wir wollen keinen Luxusbau. Auf das Arbeitsschutzrecht haben wir keinen Einfluss“, betont der stellvertretende Gemeindebrandmeister. „Das Traurige ist: Von der Politik war keiner da außer einer Fraktion.“

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