Melanie und Vanessa ziehen Louis aus dem Wasser / Johannes sagt der Mutter Bescheid

Schnell geschaltet: Kinder retten Kind

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Johannes, Marie, Louis und Vanessa (von links) im Freibad Wichtenbeck. Die Kinder kennen sich untereinander – und in diesem Fall haben sie zusammengehalten und den übermütigen Louis aus dem tiefen Wasser geholt.

Eimke/Wichtenbeck. Marie Carstens, Vanessa Klipp und Johannes Zygan können stolz sein wie Bolle.

Die beiden Zehnjährigen aus Wichtenbeck und der Siebenjährige aus Eimke haben am vergangenen Dienstagnachmittag schnell geschaltet, als ein vierjähriger Junge im Freibad Wichtenbeck in Not geraten war. Louis, so heißt der Junge aus Wichtenbeck, war eifrig beim Fangenspielen mit Johannes. Er hatte zuvor im Kinderbecken geplantscht und keine Schwimmflügel. Nun, beim Fangenspielen, galt es für Louis, um Gedeih und Verderb schneller zu sein als Johannes – das wichtigste in diesem kleinen Moment des kleinen Jungen.

Und dann sprang er in das Erwachsenen-Becken. Und der Boden unter den Füßen war viel zu weit weg.

Am Rande des Beckens standen Melanie und Vanessa. „Vanessa hat mich dann gefragt, ob Louis eigentlich schwimmen kann“, erzählt Marie, „und er konnte es nicht. Dann sind wir beide hinterher und haben ihn aus dem Wasser geholt.“

Das klingt nüchtern, wie Marie das erzähl, kurz und knapp. Auf die Frage, ob das aufregend war, sagt auch Vanessa recht cool: „Ja. Naja.“ Marie erzählt weiter, dass sie zu dem Jungen geschwommen sind und gemeinsam hochgehoben haben zum Beckenrand. „Er hat Angst gehabt und doll geweint, und er hatte Wasser im Mund“, sagt die Zehnjährige. Die Mutter habe ihn dann angenommen, sich mit ihm auf eine Bank gesetzt und ihn getröstet. „Sie war erst sehr erschrocken“, sagt Vanessa. Dass die Mutter auch so schnell da war, liegt an Johannes. „Die hat mit einer anderen Frau geredet“, beschreibt der Siebenjährige. „Und dann bin ich schnell hingelaufen und habe gesagt: Louis ist im Wasser und fängt grad an zu ertrinken.“ Wieso er da so schnell gehandelt hat? „Weil ich nicht wollte, das Louis ertrinkt“, sagt er sachlich.

Die Mutter also rannte los, nahm den Jungen an. „Als das war, habe ich mich nicht gut gefühlt“, sagt der kleine Johannes. Und ist er jetzt stolz? „Ja.“

Das sind auch Vanessa und Marie, die beiden, die sofort hinterhersprangen. Und die Eltern: „Als sie das erzählt hat, war ich superstolz“, erzählt Maries Mutter Stephanie Carstens, „ich habe gesagt: Super, immer wieder machen!“ Heike Klipp, die Mutter von Vanessa, hört sich ähnlich fröhlich an: „Toll, dass die so reagiert haben. Eine gute Aktion!“

Die Mutter von Louis, Melanie, die ihren Nachnamen nicht sagen will, kann sich noch gut erinnern. Und sie meint: „Ich fühle da ganz große Dankbarkeit, dass in dem Schwimmbad zwischen den Kindern so ein guter Zusammenhalt ist.“

Ilse Holst, stellvertretende Bürgermeisterin in Eimke und Vorsitzende des Dorfgemeinschafts-Vereins, der das Freibad führt, hat ebenfalls nur lobende Worte. Vielleicht sei der kleine Louis auch von anderen gerettet worden, schließlich waren genug Leute drumherum, „Aber diese Mädchen haben das als erstes gesehen und sofort reagiert.“ Im Wichtenbecker Freibad, erklärt sie, haften Eltern für ihre Kinder. Das Freibad wird ehrenamtlich geführt, ebenso ist die Aufsicht ehrenamtlich. Die Personen, die den Betrieb hauptsächlich leiten, arbeiten beim DRK. Und Holst sagt: „Bei uns passen die Großen auf die Kleinen auf, das passiert wunderbar“.

Und manchmal passen auch die Kleinen auf die Kleinen auf.

Von Kai Hasse

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