Brigitte Benecke aus Bienenbüttel wirbt mit Atze und Lisa für Therapiehunde-Arbeit

Schlüssel zu der Menschen Seelen

Hündin Lisa lässt sich, auf dem Tisch liegend, gelassen kraulen und streicheln während ihr Bruder Atze (unten rechts) das Apportieren anschaulich demonstriert. Fotos: Ph. Schulze 

Bienenbüttel. Mit einem geräuschvollen Grunzen lässt Atze seine 50 Kilo Lebendgewicht auf den Linoleumboden plumpsen und schmatzt ein paar Mal vor sich hin. Er hat jetzt Pause. Dafür zeigt seine Schwester Lisa, was ein echter Therapiehund so alles kann.

Denn die zweijährige Berner Sennenhündin ist gemeinsam mit Frauchen Brigitte Benecke in Senioren- oder Behinderteneinrichtungen und Kindergärten, in Schulen, Krankenhäusern und Hospizen im Einsatz, um den Menschen dort ihr Leben und Schicksal leichter zu machen, ihnen ein Lächeln in die Gesichter zu zaubern und sie zugänglich für Therapien zu machen.

Am Dienstagabend berichtet Brigitte Benecke 17 Teilnehmern ihres Kurses der Kreisvolkshochschule (KVHS) von ihrer Arbeit mit Atze und Lisa und zeigte Wege auf, wie man einen Therapiehund finden, ausbilden und mit ihm arbeiten kann. In Norddeutschland sind Therapiehunde noch sehr selten. Eine einheitliche Ausbildung und verbindliche Qualitätsstandards – wie sie in Österreich und der Schweiz selbstverständlich sind – gibt es nicht. Dabei kann die Arbeit mit dem Therapiehund so viele Türen öffnen, betont Benecke. Bei manchen Einsätzen sei sie selbst gereift, sagt die Bienenbüttelerin, die ausgebildete Reikimeisterin und -lehrerin ist.

Ein Hund wirke – wie im Übrigen jedes andere Tier auch – als sozialer Katalysator. „Sie sehen es gerade hier“, sagt Brigitte Benecke am Dienstagabend, „die Hunde sind nur anwesend und die Atmosphäre ist locker. Tiere haben Schlüssel zu unseren Seelen.“ Dabei spielen Rasse oder Alter des Hundes keine Rolle. „Kein Hund wird als Therapiehund geboren“, erklärt Benecke. Das Tier müsse nur ein freundliches Wesen haben, führwillig und tolerant sein. Flauschiges Fell ist außerdem als Streichelfaktor begehrt.

Lisa erfüllt all diese Voraussetzungen, liegt deshalb seelenruhig auf einem Tisch und lässt sich von vier Personen gleichzeitig streicheln. Am Kopf, auf dem Rücken, an den Pfoten, an der Rute. Was aber für die Menschen ein Vergnügen ist, ist für Lisa harte Arbeit. „Das kann sie nicht länger als fünf Minuten machen“, sagt ihr Frauchen, „weil das hohe Konzentration erfordert.“

Für diese harte Arbeit gibt es natürlich Leckerlis. Und die sind auch für Prachtkerl Atze, der seine Therapiehundprüfung noch vor sich hat, ein überzeugendes Argument: Er und seine Schwester Lisa haben sich gerade hingelegt und bleiben ganz gelassen, während Frauchen zwischen den beiden herumtrampelt, Nordic-Walking-Stöcke vor ihren Nasen zu Boden krachen lässt und mit einer Metalldose lärmt. Atze hebt nur neugierig den Kopf, Lisa guckt gelangweilt. Jeder andere Hund hätte wohl verrückt gespielt. Auch das Apportieren und andere Kommandos haben die Hunde-Geschwister drauf, wie sie anschaulich beweisen. Und tatsächlich: Schon allein das Zusehen und Erleben der Tiere zaubert in die Gesichter der Kursteilnehmer – ein Lächeln.

Von Ines Bräutigam

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