Jürgen Tietz aus Bad Bevensen dokumentiert Leben der Kraniche

Scheue Vögel des Glücks

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Kranich mit Küken in einem Nest irgendwo am Jastorfer See.

Bad Bevensen – Ein Moment der Innigkeit irgendwo am Jastorfer See. Ein Küken im braunen Flaum sitzt auf dem Nest aus grobem Röhricht, versteckt im Wasser hinter frischem Rohrkolben. Seine Mutter wendet ihm den Kopf zu. Den Moment hat Jürgen Tietz festgehalten.

Der Bevenser Naturfotograf dokumentiert das Leben der Kraniche im Landkreis seit Jahren mit der Kamera.

Das darf nur selten ein Mensch miterleben: Kraniche beim Liebesspiel. 

Noch sind die Küken nicht da. „Jetzt sitzen die Kraniche auf den Eiern und brüten sie aus“, berichtet Tietz. „In anderthalb bis zwei Wochen werden die ersten Küken schlüpfen.“ Beide Eltern wechseln sich bei der Brut ab, weiß das Mitglied des Naturschutzbunds (Nabu). „Wenn sie sich ablösen, trompeten sie laut“, erzählt der 58-jährige Pflegeassistent. „Das ist ein Naturerlebnis. Das ganze Verhalten ist imposant. Es gibt nichts Vergleichbares“

Die Kraniche haben sich den Landkreis Uelzen zurückerobert. Und sie bleiben meist sogar über Winter. „Das ist der Klimawandel“, sagt Tietz. „Es ist wärmer geworden. Die Tiere brauchen den strapaziösen Weg in den Süden nicht mehr zu machen.“ Allerdings bekommen normale Menschen die scheuen Großvögel kaum so nahe zu sehen wie der Naturfotograf.

Frühmorgens um halb fünf fährt der ehemalige Fünfkämpfer los, um sich hinter Fleckennetz getarnt auf die Lauer zu legen. Naturfotografie ist nichts für ungeduldige Menschen. Zwei bis drei Stunden bleibt er in der Regel in seinem Versteck. Belohnt wird Tietz mit einmaligen Motiven. Unter anderem konnte er jetzt mit dem 600er-Teleobjektiv das Liebesspiel der Großvögel beobachten. Wenn sie Ringe tragen, kann er sogar feststellen, woher sie kommen.

Nur wo er seine Motive geschossen hat, verrät er nicht – zum Schutz der Vögel selbst. „Es gibt viele Menschen, die sich nicht richtig verhalten und da rumtrampeln“, weiß Tietz.

Jürgen TietzNaturfotograf

Für Störungen sind Kraniche nämlich sehr empfindlich. Nähern sich Menschen ihrem Nest, kann es sein, dass die Vögel es in Panik verlassen. Die Eier oder die Küken sind dann Räubern wie der Kornweyhe schutzlos ausgeliefert. Kraniche legen nur zwei Eier. Und wenn die Nahrung knapp wird, wirft das stärkere Junge häufig seinen Bruder oder seine Schwester aus dem Nest. Kainismus nennt man das. „Das regelt die Natur“, kommentiert Tietz.

Für ihn zählt die Schönheit der belebten Natur. Wenn er in Rente geht, hat sich der Bevenser Naturfotograf deshalb vorgenommen, sich in der Kranichforschung zu engagieren, etwa bei Vogelzählungen oder beim Beringen der Kraniche. Die Vögel sind auch für Tietz ganz persönlich die Vögel des Glücks. „Seitdem ich sie fotografiere, habe ich auch in meinem Leben Glück.“

VON GERHARD STERNITZKE

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