Routine rettet Leben

Bevenser HGZ-Professor: Weniger Herztote, dafür mehr chronisch Erkrankte

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Herzpatienten können heutzutage besser versorgt werden, die Sterberate sinkt. Doch wer seinen Infarkt überlebt, muss mit zunehmenden Folgeerkrankungen rechnen.

Bad Bevensen. Ein Herzinfarkt ist heute längst kein Todesurteil mehr. „Die Herztherapie hat sich insgesamt verbessert“, sagt Professor Dr. Bjoern Andrew Remppis, Chefarzt für Innere Medizin und Kardiologie am Herz- und Gefäßzentrum (HGZ) in Bad Bevensen.

Professor Dr. Bjoern Andrew Remppis

So weist der Deutsche Herzbericht 2017 auch deutlich weniger Todesfälle durch Herzkrankheiten aus – die Zahl ist um 40 Prozent gesunken. Professor Remppis führt dies vor allem auf eine „Routine in der Versorgung der Patienten“ zurück, wie er sagt. So gibt es bundesweit etwa 260 sogenannte Chest Pain Units (CPU), in denen sich die fachliche Besetzung und die technische Ausrüstung stetig weiter entwickelt haben. Eine davon ist am HGZ. Sowohl in diesen Diagnostik- und Therapieeinheiten für Brustschmerzen als auch schon ein paar Schritte zuvor in der Rettungskette nach einem Herzinfarkt sei eine so gut funktionierende und nach einem festen Schema ablaufende Struktur vorhanden, dass immer mehr Todesfälle verhindert werden könnten, so Remppis.

Allerdings kommt es auch darauf an, wie aufgeklärt die Menschen zu dem Thema sind. „Die Rettungskette beginnt beim Patienten selbst“, betont der Professor. Denn von jedem Einzelnen hänge ab, ob und wie schnell er den „Vernichtungsschmerz“ im Brustbereich überhaupt erkenne, den ein Infarkt mit sich bringt. Besonders schwierig könne es für Frauen sein, einen Herzinfarkt bei sich zu erkennen. „Der kann sich als Schmerz im Oberbauch oder als Übelkeit äußern“, sagt der Bevenser Herzspezialist. Frauenherzen nämlich schlagen anders.

Eine Besonderheit bringt die Herz-Statistik noch mit sich, erklärt Bjoern Andrew Remppis. Denn zwar gebe es immer mehr Menschen, die einen Herzinfarkt überlebten. In der Folge aber steige die Anzahl derer, die an einer chronischen Herzerkrankung litten: der Herzinsuffizienz. Und diese, so Remppis, weise eine durchaus schlechte Prognose aus, da sie als sogenannte Systemerkrankung eine Vielzahl weiterer Erkrankungen auslösen kann.

Von Ines Bräutigam

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