Eine Woche lang wird das Kurhaus zum Hörsaal

Rezepte gegen den Stress: Urlauber-Universität im Bevenser Kurhaus hat begonnen

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Eine Expertenrunde eröffnete die Urlauber-Universität im Bevenser Kurhaus mit einer Podiumsdiskussion (von links): Dr. Christian Baumbach, Peter Findeisen, Prof. Joachim Gerber, Dr. Philipp Krause, Dr. Marion Rulle.

Bad Bevensen – Eine Universität in Bad Bevensen? Eine Woche lang wird das Kurhaus zum Hörsaal.

Einwohner und Gäste erhalten von hochkarätigen Medizinern der Diana-Klinik, des Herz- und Gefäßzentrums (HGZ), des Caduceus-Zentrums sowie des Helios-Klinikums Uelzen Informationen aus erster Hand. Allerdings geht es nicht um trockene Wissenschaft. Die gestern eröffnete Urlauber-Universität verbindet anschauliche Vorträge rund um das Thema Stress mit Lernstationen, an denen die „Studenten“ selbst aktiv werden. 70 Interessierte haben sich im Vorfeld angemeldet. Neugierige können noch bis Freitag teilnehmen.

„Stress, die Herstellung der Alarmbereitschaft, ist eine ganz normale Reaktion“, sagt Dr. Christian Baumbach, Chefarzt der Klinik für kardiologische und angiologische Rehabilitation am HGZ bei einer von der Tourismusforscherin Dr. Monika Rulle moderierten Podiumsdiskussion. Der Stress tritt etwa auf, wenn der Mensch laufen will oder mehrere berufliche Termine abarbeitet. „Man kann nicht im Ruhemodus eine gute Leistung bringen“, betont Baumbach. „Das Problem entsteht, wenn es keine Ruhepausen gibt.“ Berufliche Überlastung, die ständige Erreichbarkeit, könnten zur Überlastung führen – und die kann krank machen.

Stress sei auch eine Folge unseres Wirtschaftssystems, das auf Wachstum setze, betont Peter Findeisen, Leiter des Caduceus-Zentrums. Es verlange auch vom Einzelnen ständig mehr Leistung. „Wir haben aber in uns eine zyklische Zeit, die biologischen Rhythmen, die Hormone, Schlafphasen“, erklärt Psychotherapeut Findeisen. Wenn sie auf Dauer verletzt werden, droht ein Burnout, die Erschöpfung. Auch Depressionen können die Folge von Dauerstress sein.

Die Devise lautet also: Stress reduzieren. „Es ist wichtig, Momente zu finden, wo man in sich geht“, rät Dr. Baumbach. Auch soziale Kontakte und Hobbys helfen. „Gesunde Ernährung – Obst, Gemüse, pflanzliche Kost –, Bewegung, nicht rauchen“, zählt Prof. Joachim Gerber, Chefarzt der Neurologie an der Diana-Klinik, auf. Es gehe aber nicht nur um Stressreduktion, womöglich Verzicht, sondern auch um positive Inhalte, um Freunde, Aktivitäten, um Zufriedenheit in Familie und Partnerschaft.

Änderungen in Beruf und Lebensstil sind allerdings nicht leicht umzusetzen. „Eingefahrene Lebenswege sind schwer zu ändern“, weiß Dr. Philipp Krause, Leiter der Psychosomatik an der Diana-Klinik. „Sowas muss man auch üben.“ Bei seinen Patienten schaue er aber nicht nur auf die Defizite, sondern auch auf die Ressoucen.

• Das weitere Programm der Urlauber-Universität im Internet: www.urlauber-universitaet.de

VON GERHARD STERNITZKE

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