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Neuanfang für das Diakoniewerk in Bad Bevensen

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Bettina Kuk, Rüdiger Noll, Carola Hahne, Leiterin Gesche Meincke, Thomas Pförtner, Hans-Peter Daub von der Dachstiftung Diakonie (von links).
Das Stephansstift evangelische Jugendhilfe übernimmt das Bevenser Diakoniewerk Jerusalem. © Privat

Es gibt Kindern und Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen ein neues Zuhause und bereitet sie auf ein selbstständiges Leben vor – jetzt war das Diakoniewerk Jerusalem selbst auf Hilfe angewiesen. Das Stephansstift evangelische Jugendhilfe der Dachstiftung Diakonie hat die Bevenser Einrichtung zum Februar übernommen.

Bad Bevensen – Das teilte die Dachstiftung am 16. Februar mit. Unter der neuen Führung soll ein Neuanfang geschafft werden.
„Uns hat geleitet, dass wir wollen, dass die Kinder zu Hause bleiben können“, sagt die Geschäftsführerin der Dachstiftung Claudia Hahne auf AZ-Nachfrage. Das Diakoniewerk und seine Wohngruppen betreuen 46 Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 18 Jahren. Alle 79 Beschäftigten wurden übernommen.

Wir sind einfach auf ein tolles Team gestoßen, das alles offen auf den Tisch gelegt hat.

Claudia Hahne, Geschäftsführerin der Dachstiftung Diakonie

„Wir sind einfach auf ein tolles Team gestoßen, das alles offen auf den Tisch gelegt hat“, betont Claudia Hahne. Das gilt insbesondere für die im vorigen Jahr eingestellte Leiterin Gesche Meincke, die auch zukünftig die Einrichtung leiten soll. Auch der Vorstand habe sehr transparent mit dem Stephansstift zusammengearbeitet.

Es geht um eine in den vergangenen Jahren zunehmend krisenhafte Entwicklung. So gaben sich nach dem Weggang des langfristigen Geschäftsführers 2018 drei Leitungen die Klinke in die Hand. Dabei fehlte teilweise auch die nötige Qualifikation, bestätigt Claudia Hahne.

Sie weist auch auf die gestiegenen Anforderungen in der Jugendhilfe hin, auch in Hinsicht auf eine beteiligungsorientierte Betreuung. Das sei in einer Vereinsstruktur nicht zu leisten gewesen. „Die fachliche Aufsicht ist nicht angemessen. Da hat die Einrichtung in den letzten Jahren versäumt, sich aktuell aufzustellen“, stellt Claudia Hahne klar.

Landesjugendamt schloss Wohngruppen

Damit nicht genug, in drei Fällen mussten Wohngruppen geschlossen werden. In mindestens zwei davon ordnete das Landesjugendamt die Schließung an. In einem Fall habe das Diakoniewerk versäumt, bei einer Veränderung einer Wohngruppe eine neue Betriebserlaubnis zu beantragen. Der andere Fall betrifft Erziehungsmethoden in einer Gruppe in der Bevenser Einrichtung selbst.

Unakzeptable Erziehungsmethoden

In diesem Zusammenhang sei ein Mitarbeiter entlassen worden. „Ein Kind hat etwas nicht befolgt. Es musste dann vor der Tür stehen“, berichtet Claudia Hahne. „Das sind Erziehungsmethoden, die nicht akzeptabel sind“, stellt sie klar und kündigt an: „Diese Gruppe werden wir schnell wieder aufbauen.“

Zum jetzigen Wechsel führten vor allem wirtschaftliche Schwierigkeiten. Plätze konnten nicht besetzt werden. Der Hort „Klexx“ wurde aus wirtschaftlichen Gründen abgegeben. „Man muss auch die Kosten gegenüber den Jugendämtern an die steigenden Gehälter anpassen“, betont Claudia Hahne von der Dachstiftung Diakonie. „Das ist einfach versäumt worden. Es war höchste Zeit, wenn man nicht in eine insolvente Situation kommen will.“

Die geschilderten Probleme soll die Bevenser Einrichtung nun mit der Belegschaft unter fachlicher Leitung des Stephansstifts hinter sich lassen. „Das werden wir alles modernisieren“, kündigt Geschäftsführerin Hahne an. Das bisherige Jugendwerk Jerusalem werde weiter gebraucht. „Der Bedarf ist groß in der Jugendhilfe. Es gibt sehr viele Anfragen.“

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