Roggen vakumiert und gekühlt

Reservoir für die Saat von morgen: Bei Wulfsode entsteht eine große Lagerhalle

+
Dr. Norbert Schulz, Leiter der Hybro-Station Wulfsode, beim Ortstermin auf der Baustelle der großen Saatgutlagerhalle. Hier wird das Zuchtmaterial aufwendig gereinigt, vakuumverpackt und gekühlt.

Wulfsode – Die Baustelle liegt mitten in den Feldern bei Wulfsode. Hohe Betonstützen sind aufgestellt worden, überspannt von gewaltigen Holzbindern. Gerade beginnen die Handwerker mit der Wandverkleidung.

88 Meter lang und 55 Meter breit – das sind die Maße der Halle, in der ab 2021 wertvolles Saatgut gereinigt und gelagert werden soll. 5,2 Millionen Euro investieren die Gesellschafter der Wulfsoder Hybro Saatzucht GmbH in den Neubau, der mit 20 Prozent EU-Mitteln gefördert wird.

Bislang wird das Zuchtmaterial bei Dienstleistern gereinigt und gelagert, berichtet Dr. Norbert Schulz, Leiter der Hybro-Station Wulfsode. „Wir haben das nicht in der eigenen Hand und können die Qualität nicht bestimmen.“ Das soll sich nun ändern. 1000 Tonnen Roggen können in der neuen, 4200 Quadratmeter großen Halle gelagert werden, die von einer neu gegründeten Schwesterfirma der Hybro betrieben werden soll.

Das Saatgut wird in mehreren Stufen, unter anderem in einem Fotoverfahren, aufwendig gereinigt. Anschließend wird es in Bigbags à 1000 Kilo vakuumverpackt und in ein gebäudehohes Regalsystem eingelagert und auf sechs bis acht Grad bei einer Luftfeuchtigkeit von 40 bis 50 Prozent heruntergekühlt. „Ohne Kühlung leidet die Keimfähigkeit der Körner“, erklärt der 36-jährige Agrarökonom. Die Zuchtlinien werden auf Jahre aufbewahrt. Bis eine neue Hybridsorte auf den Markt kommt, vergehen rund zehn Jahre.

Während auf der Baustelle die Wandverkleidung angebracht wird, wird einen Steinwurf entfernt auf einem eingezäunten Feld Hochzeit gefeiert. Henrika Schwanke greift sich die Stängel zweier Roggenpflanzen, nimmt sie in die Faust und streift ein Papiertütchen über beide, das sie unten zubindet. „Wir haben hier Vater und Mutter“, sagt die landwirtschaftlich-technische Assistentin. So bringen die Hybro-Mitarbeiter viele Roggenmänner und -frauen unter die Haube, die verhindert, dass fremder Roggenpollen die Zucht verfälscht. 15 000 Tütchen sind pro Jahr im Einsatz.

Bei der Hybridzucht werden zunächst Inzuchtlinien hergestellt, die nach Wuchs und Krankheitsresistenz ausgewählt werden. Pflänzchen für Pflänzchen wird dabei selektiert. Um den Zuchtprozess zu beschleunigen, werden auch Gewächshäuser eingesetzt, die zwei Ernten im Jahr erlauben. Erst nach bis zu sieben Generationen werden die Inzuchtlinien gekreuzt. Die Hybriden bringen 20 bis 30 Prozent mehr Ertrag als konventionell gezüchtete Sorten. Gentechnik kommt dabei nicht zum Einsatz.

In Wulfsode bewirtschaftet Hybro 40 Hektar wechselnde Flächen. Außerdem arbeitet das Unternehmen, das über die Vermarktungsgesellschaft Saaten-Union etwa 40 Prozent Marktanteil beim Roggensaatgut hat, mit Landwirten in den Landkreisen Uelzen, Heidekreis und Lüchow-Dannenberg sowie an weiteren Standorten im In- und Ausland zusammen, die das Hybridsaatgut vermehren. Dabei geht es immer darum, dass eine Bestäubung von fremden Feldern ausgeschlossen ist. Zwei Kilometer kann der Pollen fliegen.

VON GERHARD STERNITZKE

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare