Rat vom Pflanzen-Doktor

René Wadas weiß, wie man Blattläuse und Schnecken ohne Chemie vertreibt

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Der grüne Sanitätskoffer ist immer dabei: Pflanzen-Doktor René Wadas weiß, wie man Blattläuse und Schnecken ohne Chemie vertreibt.

Wenn die Orchidee gelbe Blätter hat oder die Hecke eingeht, dann kommt der Pflanzendoktor. Gärtnermeister René Wadas erklärte 150 Landfrauen im Bevenser Kurhaus, wie man Pflanzen ohne Chemie gesund erhält.

Bad Bevensen – „Die Natur hat für jedes Problem eine Lösung“, ist Wadas überzeugt, der mit dem grünen Sanitätskoffer die Bühne betrifft. In ihrer Entwicklung in der Evolution hätten Pflanzen verschiedene Strategien entwickelt, sich gegen Angriffe zu wehren. Diese Rezepte macht er sich zunutze, ob er nun mit Orangenöl Blattläuse vertreibt oder Wühlmäuse mit einem Schluck billigen Fusels in die Flucht schlägt.

Unglaublich: Allem Umweltbewusstsein zum Trotz hat der Gebrauch der chemischen Keule in Haus und Kleingarten in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren noch deutlich auf 7000 Tonnen im Jahr zugenommen. „Ich möchte was verändern“, sagt der 50-Jährige. Dafür führt er auch persönliche Beweggründe an. Sein Ausbilder und andere Gärtner seien früh an Krebs gestorben. „Ich weiß aber auch, dass man in der Landwirtschaft noch nicht ohne Chemie auskommt“, betont Wadas.

Von seiner Mission ist der Mann in Weste und Hemd mit Pflanzenmotiv überzeugt. Deshalb behandelt er die grünen Patienten, die in seine Pflanzenklinik bei Wolfenbüttel gebracht werden, kostenlos. „Gärtner und Floristen sind Idealisten“, sagt Wadas. Nur für seine Hausbesuche nimmt der Pflanzendoktor Geld. Dabei ist die Krankheitsursache für gelbe Blätter oft schnell ausgemacht. Gerade bei Zimmerpflanzen vergessen viele, dass eine Pflanze Dünger braucht. Stickstoff, Kali und Phosphat sind die wichtigsten Nährstoffe.

Überhaupt sind die Rezepte, die der Pflanzenarzt ausstellt, oft verblüffend einfach. Die Schnecke vertreiben einige Triebe vom Wurmfarm, Studentenblumen töten Drahtwürmer, Brennesselwasser wirkt gegen Blattläuse, während die Jauche pflanzenstärkend wirkt. Was er auf seinen Vorträgen und in seinen Büchern empfiehlt, testet Wadas zuvor in seinem mehrere tausend Quadratmeter großen eigenen Garten.

Seine Botschaft bringt der Pflanzendoktor mit viel Humor unter die Leute. Um zu erklären, dass man Apfelwicklerfallen nicht direkt in den Baum hängt, versetzt er sich in ein Männchen. „Dann fliege ich doch lieber auch einen Baum, in dem 50 Mädels sitzen“, erzählt er. Die 50 Mädels, das ist die Falle, die den Geruch der Apfelwickler-Weibchen verströmt. Maden, die am Baumstamm hochkriechen, fängt er mit einem Streifen Wellpappe.

Zehn Jahre lang hat Wadas, der in Berlin-Kreuzberg aufwuchs, Pflanzen geheilt, dann wurde das Fernsehen aufmerksam. Talkshows und Sendungen wie „Gärtnern natürlich“ im NDR machten den Pflanzenarzt bekannt. Inzwischen hat er zwei Bücher veröffentlicht. Bei seinen Einsätzen bringt er immer Zeit mit. „Wir machen uns keinen Stress. Die Pflanzen lassen sich nicht hetzen.“

VON GERHARD STERNITZKE

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