Eine Briefkasten-Firma

Razzia wegen Anlagebetrug: Ermittler glaubt nicht, dass Röper Hotel bauen wollte

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Thomas Röpers Luxushotel findet sich am Mühlenweg 1a immer noch nicht, wohl aber eine Briefkasten-Firma. Foto: Sternitzke

Bad Bevensen. Hätten die Anleger, die für ein vermeintliches Luxushotel mit Bungalows in Bevensen Millionen überwiesen (AZ berichtete), einmal ihren Vertragspartner besucht – sie hätten von dem Investment vermutlich umgehend Abstand genommen.

Die BD Bad Bevensen Hotel- und Handelsgesellschaft mbH des Bevensers Thomas Röper residiert am Alten Mühlenweg 1a: eine Baracke des ehemaligen Hamburger Feriendorfs. Ein verblichener Aufkleber auf der Tür, eine Klingeltaste fürs Handy und hinter den Fenstern Spuren der Verwüstung. Von einem Büro und Akten keine Spur.

So sehen Briefkastenfirmen aus. Davon geht jedenfalls auch Hans-Dieter Wilhus aus, Leiter des Fachkommissariats für Wirtschaftskriminalität und Betrugsdelikte. In seinem Büro in Lüneburg stapeln sich Computer, Laptops und Smartphones, die 25 Beamte bei einer Razzia in acht Objekten in Bevensen, Lüneburg und Mecklenburg-Vorpommern am Dienstag „erbeutet“ haben. Die Auswertung könnte sich ein halbes Jahr hinziehen. Gastronom Röper und den zwei Finanzmaklern wird Anlagebetrug und Urkundenfälschung vorgeworfen. Rund ein Dutzend Anleger soll um insgesamt 3,4 Millionen Euro geprellt worden sein.

„Wir haben nicht den Eindruck gehabt, dass die Beschuldigten ernsthaft vorgehabt haben, das Projekt umzusetzen’“, sagt Wilhus gestern. Noch bis 2014 hätten diese Anleger angeworben – ohne jemals größere Summen einzusetzen oder auch nur einen Bauantrag einzureichen. Nur immer neue Ideen, zuletzt angeblich im Wert von 20 Millionen Euro, präsentierte Röper. Im Handelsregister ist die BD Bad Bevensen Hotel- und Handelsgesellschaft mbH nicht zu finden, nur die PPU Besitzgesellschaft Bad Bevensen, auch diese angeblich in der 1a ansässig.

Nachdem vor Gericht von den Hoteliers kaum was zu holen war, erstatteten die Geprellten Anzeige wegen Betrugs. Manche haben ihre komplette Altersvorsorge verloren, berichtet Wilhus. Der Kriminalist wundert sich andererseits auch, wie leichtgläubig diese ihr Erspartes investiert hätten, ohne Sicherheiten zu fordern. „Bei solchen Anlagen ist Vorsicht geboten. Investieren Sie nie in Vorhaben, wo Zinsversprechen gegeben werden, die so nicht am Markt zu holen sind!“, rät der Kriminalist. Eine Verzinsung von 3,5 bis 8 Prozent war den Anlegern versprochen worden.

Realistischer war die N-Bank, die einen Zuschussantrag über 4,5 Millionen Euro ablehnte. Der Förderbank des Landes Niedersachsen fehlten Nachweise, dass die Finanzierung des Projekts gesichert wäre. Wilus geht davon aus, dass es noch weitere Geschädigte gibt. Soviel steht fest: Das Geld ist weg.

Von Gerhard Sternitzke

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