Verdacht des Rechts-Terrors

Razzia und Festnahme in Brockhöfe-Bahnhof: „Es hat dreimal laut geknallt“

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Polizei im Einsatz (Symbolbild).

Brockhöfe-Bahnhof – „Dann waren plötzlich viele Polizisten da, sie waren schwarz vermummt. Und man hat diese roten Lichter gesehen, mit denen gezielt wird“: Eine zufällig vorbeikommende Passantin wurde am Freitagmorgen Zeugin gespenstischer Szenen im kleinen Brockhöfe-Bahnhof.

Gegen 6.20 Uhr begann der Einsatz von Spezialeinheiten der Polizei. Von knapp 20 Beamten spricht die Zeugin. Das Ziel: ein privates Wohnhaus. Der Grund: Ermittlungen der Bundesanwaltschaft wegen des Verdachts der Gründung einer rechten Terrorzelle.

„Es hat dreimal laut geknallt. Ich glaube, das waren Schüsse.“ Jemand habe um Hilfe gerufen, es sei laut geschrien worden. Vor allem im Garten des durchsuchten Hauses sei die Polizei lange unterwegs gewesen. Mitgebracht hätten sie auch zwei Hunde. „Mit Taschenlampen leuchteten die Beamten unter die Büsche“, beschreibt die Zeugin den weiteren Verlauf des Einsatzes. Auch auf einem Feld in der Nähe hätten sich die Ermittler genau umgesehen.

Laut Bundesanwaltschaft sei es bei dem Einsatz, der in sechs Bundesländern stattfand, auch darum gegangen, zu klären, ob die insgesamt zwölf Beschuldigten bereits über Waffen oder sonstige Gegenstände verfügt hätten, um Anschläge auf Muslime, Asylsuchende und Politiker zu begehen. Ziel der im September 2019 gegründeten rechtsterroristischen Vereinigung, so die Bundesbehörde, sei es gewesen, die Staats- und Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland „zu erschüttern und letztlich zu überwinden“. Mit den geplanten Anschlägen sollten nach Einschätzung der Ermittler bürgerkriegsähnliche Zustände in Deutschland herbeigeführt werden. Der Verdächtige aus Brockhöfe-Bahnhof sei festgenommen worden.

Die Durchsuchung nahm offenbar mehrere Stunden in Anspruch. Später, so eine weitere Passantin, sei zu sehen gewesen, wie die Polizisten Akten, Taschen und Notizbücher aus dem Gebäude getragen hätten: „Da waren viele Leute im Einsatz, sie haben auch ein privates Auto durchsucht, das auf dem Grundstück stand. Da waren lange noch die Türen offen.“

VON MICHAEL MICHALZIK

In einer früheren Fassung war dieser Beitrag mit einem Vor-Ort-Foto illustriert. Dazu nehmen wir wir folgt Stellung:

In unserem Bericht „Es hat dreimal laut geknallt“ vom 15. Februar 2020 zum Polizeieinsatz in Brockhöfe-Bahnhof wegen des Verdachts der Gründung einer rechtsterroristischen Vereinigung hatten wir zur Illustration ein Foto verwendet, auf dem im Vordergrund das Wohnhaus Bahnhofstraße 1 abgebildet war. Soweit dadurch der Eindruck entstanden sein sollte, dass das abgebildete Gebäude Ziel des Polizeieinsatzes war, so stellen wir hiermit richtig, dass dem nicht so war. Der Einsatz erfolgte in einem anderen Teil der Straße; das Anwesen Bahnhofstraße 1 steht in keinerlei Zusammenhang mit polizeilichen Ermittlungen bzw. Maßnahmen wegen des Verdachts rechtsextremistischer/rechtsterroristischer Aktivitäten. Die Redaktion.

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