Tierische Friedensbotschaft

Rainer Fischer fliegt zu einer Lesung in Bad Bevensen ein

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Schweinchen Schnurps auf dem Weg zu seiner geliebten Taube: Grafiker und Autor Rainer Fischer mit einer Illustration aus seinem in Bad Bevensen vorgestellten Buch.

Bad Bevensen – Was Rainer Fischer nicht mag, ist nach kurzer Zeit klar: Bauern und Jäger kommen in seinem Buch nicht gut weg. Sie sperren kleine Schweinchen wie seinen Helden Schnurps in enge Ställe und schießen auf unschuldige Wildtiere.

Auf einem der Bilder des Grafikers und Autors, der seine Bücher selbst illustriert, blasen die Waldbewohner zur Jagd auf den Jäger. Fischers Sympathie ist jedenfalls bei den Schwachen und Friedfertigen. Das wird bei der Lesung des 79-Jährigen in der Bevenser Bibliothek im Griepe-Haus deutlich.

Angeeckt ist Fischer schon früher, bevor er vor 20 Jahren auf die Kanareninsel La Palma auswanderte. Dass der Barnser Künstler gegen Atomkraft und ebenso gegen den nahegelegenen Flugplatz auftrat, kam nicht bei allen gut an. Es kostete auch Aufträge. Aber Fischer ist nicht nur dagegen, sein Buch „Das Schwein und die Taube“, aus dem er gemeinsam mit seiner Frau Melanie Bogdalik vor Kindern und „junggebliebenen“ Erwachsenen liest, ist eher eine positive Vision.

Ein Gegenentwurf, in dem Ferkel, als der Tierarzt die Tür einen Spalt breit öffnet, aus ihren Ställen fliehen und in einem Eichenwald eine Kommune gründen. Und in dem Schnurps auf seine große Liebe trifft, die ebenfalls einem Züchter entwischt ist. „Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte“, wie es treffend im Untertitel heißt. Dass es eine Friedenstaube ist, erkennen schon die Kleinen, denn sie trägt einen grünen Zweig im Schnabel. Genau in dem Moment, in dem das friedliche Miteinander in der Schweine-Kommune kippt und ein Eber auf Schnurps losgeht, lockert sie die Spannung durch einen Sturzflug auf den Topf mit dem kochenden Essen.

„Ohne Frieden geht Glück nicht“, diese Botschaft bringt Fischer auch nach Bevensen mit. Die Grundidee für die Geschichte hat der Grafiker bereits in den neunziger Jahren als Reaktion auf die Balkankriege entwickelt, und sie ist immer noch aktuell, glaubt er. „Es hat sich überhaupt nichts geändert. Überall ist Krieg, auch in den Familien“, sagt Fischer, der zum Nachdenken anregen will, ohne zu missionieren.

Seinen persönlichen Frieden hat er auf La Palma gefunden. Das Leben als Selbstversorger ist günstig. Der Garten ernährt das Paar. Was er nicht hergibt, das tauscht man mit Nachbarn. Der eine erntet zu viele Avocados, der Nächste hat mehr Zwiebeln.

Fischers Vision hat paradiesische Momente. Füchse tanzen mit Hasen und Eulen wollen Mäusen das Fliegen beibringen. Die Liebe aber verleiht Flügel, erst recht in Fischers Buch. So bringt die Taube ihrem geliebten Schweinchen Schnurps, das immerhin eine Leiter erklimmen kann, auch das Fliegen bei. Die Fantasie macht’s möglich.

VON GERHARD STERNITZKE

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