Zwei weitere Verhandlungstage zu Stadtfest-Schlägerei / Einblicke ins Leben eines Angeklagten

Der Prozess zieht sich hin

+
Während viele friedlich auf dem Bad Bevenser Stadtfest 2016 feierten, eskalierte ein Streit am Rande des Festes – das juristische Nachspiel zieht sich jetzt länger hin als zunächst erwartet.

Bad Bevensen. Eigentlich dachte Jugendrichterin Claudia Hagemann schon am Ende des ersten Tages der Hauptverhandlung, dass man eine Entscheidung herbeiführen könne.

Eine Entscheidung über eine Schlägerei am Rande des Bad Bevenser Stadtfests 2016, bei der drei Jugendliche teils schwer verletzt wurden (AZ berichtete). Doch ganz so einfach stellt sich die Angelegenheit dann doch nicht dar: Während die Zeugen beim Prozessauftakt vor allem die Nerven der Verteidiger der beiden 20 und 43 Jahre alten Angeklagten mit oft verworrenen Aussagen strapazierten, läuft auch der gestrige zweite Verhandlungstag nicht rund: Der Anwalt eines 17-jährigen Nebenklägers ist erkrankt.

Eine Fortsetzung der eigentlichen Verhandlung kann daher gestern nicht stattfinden. Dafür aber erhalten die Zuhörer einen kleinen Einblick in das Leben der Angeklagten.

Während der Ältere von ihnen – Arbeiter und geschiedener Vater zweier Kinder – ein unbeschriebenes Blatt ist, sind über seinen 20-jährigen Stiefsohn, den zweiten Angeklagten, bereits vier Einträge im Bundeszentralregister vermerkt. So wurde der junge Mann Anfang 2013 wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt, im Sommer des gleichen Jahres unter anderem wegen Missbrauchs von Ausweispapieren, 2014 wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln und 2015 wegen gemeinschaftlicher Beleidigung.

Ein Bericht der Jugendgerichtshilfe von 2012 – ein aktueller Bericht liegt nicht vor, weil der 20-Jährige nicht erreichbar gewesen sei, merkt der Gerichtshelfer an – dokumentiert in groben Zügen das Leben eines jungen Mannes, dessen Eltern getrennt sind, der Probleme mit seiner Mutter hat, zunächst bei seinem Vater lebt, dann bei seiner Oma und schließlich bei seiner Freundin einzieht.

Den Realschulabschluss schafft er nicht, und auch die Ausbildung zum Industriemechaniker liegt aktuell auf Eis. „Da gibt es gerade noch Probleme“, sagt der 20-Jährige. Ihm sei gekündigt worden. Wegen Fehltagen in der Schule. „Weil ich da nicht so gut aus’m Bett kam“, gibt er leise zu. Doch er hoffe, dass sich sein Arbeitgeber die Sache noch einmal überlegt. „Ich möchte die Ausbildung auf jeden Fall weitermachen“, betont der junge Mann auf der Anklagebank.

Seit diesem Monat lebt er von Arbeitslosengeld I und Erspartem, verdiente davor 845 Euro brutto – 671 Euro netto. Den Kredit, den er aufgenommen hat, um den Führerschein zu machen, wird er nun wohl benötigen, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, sagt er. Seine finanzielle Situation wird gestern wohl auch deswegen so genau beleuchtet, weil im Falle einer Verurteilung hohe Schadenersatzforderungen auf den 20-Jährigen zukommen könnten.

Ob es dazu kommt, ist derzeit noch offen. Keiner der bislang gehörten Zeugen konnte die beiden Angeklagten wirklich als Täter identifizieren. Und so sind bereits weitere Zeugen geladen, die Verteidiger der Angeklagten haben überdies Beweisanträge angekündigt. Aus einem neuen Fortsetzungstermin wegen der Erkrankung des besagten Anwalts der Nebenklage werden gestern also gleich zwei neue Verhandlungstage: Sie beginnen am 12. April um 12.30 Uhr und am 19. April um 13.15 Uhr im Uelzener Amtsgericht.

Von Ines Bräutigam

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare