20 Damwild-Tiere in Brockhimbergen gerissen

Weidetierhalter fordern Konsequenzen: „Die Problemwölfe müssen raus“

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Zwei Meter hoch ist der Zaun, der die Weide sichert. Aber er konnte die Wölfe nicht abhalten.

Brockhimbergen. Die Weide von Jochen Strampe ist ein Schlachtfeld. Gestern Morgen haben Wölfe auf der gut zwei Hektar großen Fläche am Ortsrand von Brockhimbergen ein Blutbad unter Strampes Damwild-Herde angerichtet: 20 Tiere wurden getötet, einige von ihnen fast aufgefressen, drei weitere Tiere wurden verletzt. Eines von ihnen siecht am Zaun dahin.

Doch erlöst werden darf es nicht – erst muss ein vom Land Niedersachsen beauftragter Experte DNA-Proben nehmen. Und der lässt gestern Stunden auf sich warten. „Es ist zum Heulen“, sagt Strampes Frau Gina.

„Der Alptraum ist wahr geworden“, fasst es der Leiter des betroffenen Hegerings Himbergen, Andreas Kröpke, zusammen. Was ihn und alle anderen Bürger, Weidetierhalter und Jäger, die sich gestern auf der Weide versammeln, besonders bestürzt: Das tierische Gemetzel fand direkt am Ortsrand statt – die Wohnhäuser stehen gleich auf der anderen Straßenseite.

Seit Stunden liegt dieses junge Damwild schwer verletzt am Zaun. Erlöst werden darf es erst, wenn DNA-Proben gezogen wurden.

Für Jochen Strampe, der auch Vize-Vorsitzender im Verband der landwirtschaftlichen Wildhalter Niedersachsens ist, ist das Maß jetzt voll. „Es heißt immer, wir müssen lernen mit dem Wolf zu leben. Aber es muss genau anders herum sein.“ So hitzig die Debatte der Anwesenden auf der Weide gestern Morgen auch ist – niemand habe etwas gegen den Wolf, heißt es immer wieder. Das unter Schutz stehende Tier müsse aber Respekt vor dem Menschen lernen und dürfe sich nicht unkontrolliert weiter ausbreiten. „Dem Wolf mache ich keinen Vorwurf“, bringt es Jagdpächter Fritz Kramer auf den Punkt, „aber der Politik.“ Besonders enttäuscht ist Jochen Strampe von Umweltminister Stefan Wenzel. Erst vor wenigen Tagen habe er ihn auf einer Veranstaltung aufgefordert, endlich tätig zu werden und den Abschuss von Problemwölfen zu erlauben. „Die Antwort war, er habe schon 100 Anzeigen von Naturschützern, und das reiche ihm“, berichtet Strampe. Außerdem säßen letztlich seine Wähler in der Stadt und nicht auf dem Land.

Für Rudolf Michaelis von der Interessengemeinschaft Weidetierhalter Nord/Ost Niedersachsen sind das Schläge ins Gesicht. „Es reicht!“ schimpft er. „So geht es nicht weiter!“ Und den Verweis auf Schutzzäune können er und die anderen auch nicht mehr hören. „Das bringt nichts“, sagt Michaelis, „die Problemwölfe müssen raus.“ Auch in Brockhimbergen haben sie sich von dem zwei Meter hohen Drahtflechtzaun nicht aufhalten lassen. Obwohl der in die Erde eingelassen ist, buddelten sie sich an zwei Stellen darunter durch.

Manuel Häusler-Schröder wird bei dem Anblick der kreuz und quer über die Weide verteilten toten Tiere ganz anders. Er steht mit anderen Bürgern am Zaun und verfolgt das Geschehen. „Ich habe nur zwei Kilometer entfernt in Weste eine Schafherde mit 120 Tieren stehen, 80 davon sind hochtragend, die Lammzeit beginnt“, sagt er. Häusler-Schröder züchtet die vom Aussterben bedrohten Leineschafe. „Wenn man so was sieht, schläft man sehr schlecht.“

Schlecht schlafen werden wohl auch Jochen und Gina Strampe. „Die Wölfe kommen bestimmt zurück. Die sind schlau und haben gelernt, dass es hier etwas für sie gibt.“

Von Ines Bräutigam

Trotz mannshohem Zaun: Wölfe töten 20 Tiere im Blutrausch

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