Privileg oder Naturschutz

Ohne Gegenstimmen und reibungslos wählten die Mitglieder der Kreisjägerschaft ihren neuen Vorstand.

Bad Bevensen - Von Barbara Kaiser. Die Jagdhornbläser intonierten zu Ehren des scheidenden Vorsitzenden Klaus Bullerjahn das Stück „Jagdfieber“. Der beziehungsreiche Titel kann getrost als Einschätzung seines Mühens der letzten vier Jahre gelten. Die vielen Dankesworte und ein wiederholtes „Ich werd‘ die Arbeit vermissen“ machten deutlich, wie schwer ihm dieser Abschied wurde.

Zuvor hatte er in seinem Jahresbericht über die umfangreiche Tätigkeit der Jäger Rechenschaft gegeben: 17 Jungjäger haben einen Lehrgang beendet, 30 werden im April dieses Jahres ihre Prüfung ablegen. In zahlreichen Hundekursen engagierten sich die Frauen und Männer im grünen Rock. Sie waren aktiv in der Schießausbildung, immer dem Naturschutz verpflichtet und freuten sich über eine Initiative aus ihren Reihen, die Kontakt zu 40 (!) Kindergärten herstellte, damit bereits die Kleinsten für den Umgang mit der Natur aufgeschlossen werden können. Die „öffentlichkeitswirksamste Maßnahme“ sei wohl das Dreibeinprojekt, so Bullerjahn. Insgesamt 926 polizeilich registrierte Wildunfälle gab es 2009 auf den Straßen des Landkreises.

Von diesem Stichwort war es nur ein kleiner Schritt zum Thema Jagdsteuer und ihrer Abschaffung, die die Jägerschaft beharrlich fordert. Weil, so Bullerjahn – und er lieferte damit dem Landrat eine vermeintliche Begründung für dessen Argument, die Mittelzuweisung des Landes würde gekürzt, sparte der Landkreis nicht aus eigener Kraft, wo er könne – „die freiwilligen Leistungen der Jägerschaft den Geldwert der Jagdsteuer übersteigen.“ Klaus Bullerjahn betonte nachdrücklich, dass nach einem Wildunfall „Fangschuss und Nachsuche nie Gegenstand des Aneignungsverzichtes“, der Verweigerung, waren. Die Jäger also selbstverständlich ihrer auch ethischen Verpflichtung nachzukommen bereit sind, das Wild zu erlösen – nicht zu entsorgen. Die Ankündigung, verunfalltes Wild nicht mehr von den Straßenrändern zu nehmen, sei keine Erpressung, sondern eine Reaktion auf die Blockadehaltung des Landkreises. Der Redner forderte seine Jagdkollegen auf, damit noch „eine Weile durchzuhalten“, bis die vom Kreis (Grußwort Martin Feller) signalisierte Gesprächsbereitschaft „Sinn macht und nicht nur auf Zeit gespielt wird.“

Den Bericht zur Trophäenschau gab Kreisjägermeister Heinrich Hellbrügge. Im letzten Jahr wurden in vielen Regionen die Planzahlen für Abschüsse bei Rotwild erfüllt, bei Reh- und Schwarzwild blieb man jedoch weit darunter.

Man habe „alles dafür getan, um angepasste Wildbestände zu erreichen“, so Hellbrügge. Die Strecke, die ordnungsgemäß durch die Jagdhornbläser verblasen wurde, weist insgesamt 634 Stück Rotwild, 3738 Stück Schwarzwild und 808 Stück Rehwild aus. Dazu kommt eine Vielzahl von Nieder- und Federwild.

Der Kassenbericht, gegeben von Matthias Freistedt, bewies in der Jahresversammlung, dass die Kreisjägerschaft Uelzen schuldenfrei ist.

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