Landwirte und Imker arbeiten in einem Blühflächen-Projekt zusammen

Pollen für den Bienen-Nachwuchs bei Eppensen

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Imker Markus Poensgen an seinem Bienenstand bei Eppensen: „Für die Jungbienenaufzucht ist der Pollen entscheidend. Sie sind dann weniger anfällig für Parasiten.“ 

Eppensen – Pressetermin im Grünen: Imker Markus Poensgen führt die Teilnehmer einen kleinen Trampelpfad zu seinem Stand am Waldrand und öffnet den Deckel. Tatsächlich zeigen sich seine Bienen vital und abwehrbereit.

Sie umschwirren die ungewohnten Besucher, und während diese sich eilig entfernen, stechen zwei der Honigsammlerinnen auch zu. Der Aussage tut das keinen Abbruch: Die Blühflächen, die in diesem Fall von dem Eppenser Landwirt Carl Christian Koehler angelegt wurden, kommen den Bienenvölkern nachweisbar zugute. Das ist das Ergebnis eines auf drei Jahre angelegten Projekts des Bieneninstituts Celle und der Landwirtschaftskammer.

Phacelia auf der Blühfläche bei Eppensen.

„Der überwiegende Teil des in den Waben eingelagerten Pollens ist violett. Das sind Pollen, die von den Blühflächen stammen“, sagt Biologe Hannes Beims vom Bieneninstitut. „Man erkennt, dass die Bienen die Pflanzen effektiv nutzen, die in den Blühflächen angebaut werden.“

Das weiß Imker Poensgen zu schätzen. „Für die Jungbienenaufzucht ist der Pollen entscheidend“, erklärt der Suderburger. „Sie sind dann weniger anfällig für Parasiten.“ Das gilt besonders für die Winterbienen, die jetzt aufgezogen werden. Das „Schwarzbrot der Bienen“ nennt Imkerkollege Peter Bahlo aus Bad Bevensen den Pollen. Ihn finden die fleißigen Insekten nicht nur an den bunten Blüten, die auch den Menschen erfreuen, sondern auch an manchem „Unkraut“, das auf den Blühflächen aufkeimen darf.

Insgesamt 20 Landwirte und 20 Imker aus der Lüneburger Heide und dem Alten Land nehmen am vor zwei Jahren angelaufenen Projekt in der Lüneburger Heide und im Alten Land teil. Dabei wurden nicht nur die Beuten untersucht – so heißen die Kästen, in denen die Bienenvölker leben – sondern auch die Beteiligten befragt.

Für sie soll es ab Juli eine eigene App geben, in der Imker und Landwirte miteinander Kontakt aufnehmen können, kündigt Werner von der Ohe, Leiter des Bieneninstituts, an. Schon jetzt zahlt sich die Zusammenarbeit aus. „Wenn ich weiß, wo die Bienen sind, dann kann ich mich mit dem Imker abstimmen und spritzen, ohne die Bienen zu treffen.“

„Ich habe viel gelernt in dem Programm“, berichtet Christian Meyer aus Barum. „Wir Landwirte haben wie die Imker ein Interesse, die Insektenvielfalt zu erhalten.“ Für die Blühflächen erhalten die Bauern Ausgleichszahlungen, aber die Förderung ist aus ihrer Sicht starr und bürokratisch. Aussäen dürfen sie nur bis zum 15. April. Dabei wäre für die Bienen ein späterer Aussaattermin sogar günstiger, damit sie auch nach Raps und Lindenblüte Nahrung finden.

VON GERHARD STERNITZKE

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