Regenwasser soll hier im Kreis bleiben, statt in die Nordsee zu verschwinden

Pilotprojekt „Rainharvesting“

Bislang wurde das überschüssige Wasser von den Feldern bei Kettelstorf über eine Drainage in den Röbbelbach geleitet und floss ungenutzt in Richtung Nordsee. Jetzt soll es hier versickert werden. Foto: Ph. Schulze

Kettelstorf. Wo bis vor kurzem noch Roggen auf dem Acker von Cord Hilbrecht stand, steht jetzt ein Bagger und gräbt eine Grube. Gerade mal 30 bis 40 Zentimeter dick ist die Ackerkrume, darunter liegt Sand, den die letzte Eiszeit hier im Nordosten des Kreises abgelagert hat.

Schlecht für den Landwirt, der hier mit vielleicht 20 Bodenpunkten zurecht kommen muss, aber gut für das, was Hilbrecht hier vor hat. Wasser von der Drainage des angrenzenden Ackers soll hier versickern. Das wurde bislang in den nahegelegenen Röbbelbach abgeleitet und verschwand ungenutzt in Richtung Nordsee.

Eine Drainage braucht man in der Landwirtschaft, damit Äcker früher abtrocknen, wodurch die Vegetationszeit verlängert wird. Allerdings braucht Hilbrecht auch Wasser, um seine Felder zu beregnen. In diesem trockenen Frühjahr besonders viel, damit er seine Ernte sichern konnte. Das Wasser, das er für seine Feldberegnung nutzen darf, ist aber begrenzt auf 70 Millimeter – in trockenen Jahren zu wenig. Verregnet er mehr, drohen empfindliche Bußzahlungen.

In der Lenkungsgruppe des Aquarius-Projekts der Landwirtschaftskammer entstand die folgerichtige Idee, das zeitweilig überschüssige Wasser hier im Kreis Uelzen zu halten, statt es ungenutzt in Richtung Nordsee abfließen zu lassen. Und gleichzeitig werden auch die Nährstoffe hier gehalten, wenn das Dränwasser hier versickert. Der in dem Wasser von den Äckern noch enthaltene Stickstoff aus der Düngung belastete nämlich ebenfalls den Röbbelbach.

„Der gehört weder in den Bach, noch in die Nordsee“, erklärt Elisabeth Schulz, Leiterin des Projekts Aquarius. „Und auch schon die Einleitung des Dränwassers in den Bach ist ein Eingriff in den Haushalt des Baches. So eine Drainage leitet das Wasser unnatürlich schnell ab und das führt zur Erosion des Baches.“

Besser ist es also allemal, das Wasser versickern zu lassen, damit es dem Grundwasser zugeführt wird. Irgendwann mag es dann ja auch im Bach ankommen, aber eben langsamer und vom Stickstoff befreit. Den zersetzen Bakterien an den Teichpflanzen. „Die pflanzen aber nicht wir“, erklärt Jörg Martens vom Kreisverband der Wasser- und Bodenverbände Uelzen, „das soll die Natur selber richten.“ Zwei weitere Teiche gehören zum Pilotprojekt „Rainharvesting“ (engl.: rain=Regen, harvesting=Ernte). Gemeinsam sollen die drei Teiche jährlich rund 22  000 m3 Dränwasser dem Grundwasser zuführen.

Das Projekt wird mit 6 300 Euro von der Bingo-Umweltstiftung gefördert, einen großer Betrag trägt das Aquarius-Projekt. Die beteiligten Landwirte tragen die Neuverlegung der Drainage-Sammler und steuern die Fläche bei. Sie betrachten das als eine Investition in die Zukunft: Ihre Kinder sollen auch in 60 Jahren hier noch wirtschaften können. Eine Erhöhung der Beregnungsmenge bekommen sie erst einmal nicht, wissen sie, aber es könnte die Verhandlungen darum ein bisschen entspannen, so ihre Hoffnung. Und Schulz hofft auf viele Nachahmer im Kreis.

Von Jürgen Köhler-Götze

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare