Pferdehalter diskutierten mit Experten aus dem Umweltministerium über Bedrohung durch den Wolf

Von A wie Abschuss bis Z wie Zorn

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Trügerische Idylle? Pferdehalter der Region sehen die Sicherheit ihrer Tiere auf den Weiden bedroht.

Almstorf/Landkreis. Wie groß ist die Bedrohung des Pferdes durch den Wolf? Wer kommt für Schäden auf? Wie viel Wolfspopulation ertragen wir? Wie sieht es mit kontrollierten Abschüssen aus? – Die Fragen prasselten nur so auf Dr. Enno Hempel ein.

Der Geschäftsführer von „Pferdeland Niedersachsen“ und Mitglied im beratenden Arbeitskreis „Wolf“ des Umweltministeriums stellte sich in Almstorf der Diskussion mit Betroffenen und Interessierten. Und die Stimmung war teils aufgebracht und erregt.

Als Interessenvertreter der Pferdehalter war Hempel vom Pferdezuchtverein eingeladen worden, um über Fakten, Daten und aktuelle Entwicklungen aus dem Arbeitskreis „Pferd & Wolf“ zu referieren. Vor mehr als 30 Teilnehmenden stellte der Experte fest, dass das Thema „bei Pferdeleuten eine extrem polarisierende Wirkung“ einnehme.

Er erläuterte die Rechtsentwicklung, blickte über den Tellerrand zum Umgang mit dem Thema „Pferd und Wolf“ in anderen europäischen Ländern und berichtete aus dem Arbeitskreis „Wolf“ mit Experten von NABU, Pferdeland Niedersachsen, der AG Herdenschutzhunde, dem Trakehner-Verband und Wissenschaftlern der Uni Hildesheim. Und er kritisierte eine teils nur schleppende Behandlung des Themas im Umweltministerium: „Die Pipeline ist lang, da geht nicht genug durch.“ Die Gäste lauschten ihm und blätterten auch in der brandneuen Infobroschüre „Pferde und Wölfe – wie ist eine Koexistenz möglich?“, doch die Hauptsorge ums Pferd bei Wolfsbegegnungen blieb. Immer wieder wurde die Frage gestellt: „Was soll ich tun?“

Eine emotional geladene Pferdehalterin und Reiterin aus Groß Thondorf berichtete von zwei Wölfen, die sie in Sichtweite ihres Paddocks gesehen habe. Von einer ganz aktuellen Wolfsbegegnung am vergangenen Montag in Tatern berichtete Hans-Heinrich Oetjen. Er stellte auch Zahlen vor, wonach 2014 in Niedersachsen 105 Nutztiere vom Wolf in Niedersachsen verletzt beziehungsweise getötet wurden. „Die Zahl wurde 2015 bereits im Mai erreicht“, so Oetjen.

Die teils recht lebhaften Wortbeiträge setzten sich noch lange fort – teils mit scharfem Unterton. Artenschutz, Herdenschutz, kontrollierte Abschüsse und Infektionsgefahren waren dabei zentrale Themen.

Doch Dr. Hempel betonte: „Das Pferd wird durch den Wolf in unseren Breiten nicht gefährdet!“

Von Ute Bautsch-Ludolfs

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