Brigitte Jaekel ärgert sich über den Eintritt, den sie in der Jod-Sole-Therme zahlen muss

Wer passt dann auf Mutter auf?

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Brigitte Jaekel (rechts) ist sauer, dass sie für ihre schwerbehinderte 93-jährige Mutter Ingeborg Jaekel zahlen muss, obwohl die in der Bevenser Therme gar nicht ins Wasser geht.

Bad Bevensen. Einmal in der Woche macht sich Brigitte Jaekel von Müden an der Oertze auf den Weg nach Bad Bevensen. Wie viele andere Gäste weiß sie die heilsame Wirkung des warmen Salzwassers zu schätzen.

Ihre schwerbehinderte 93-jährige Mutter Ingeborg Jaekel nimmt sie mit. Doch jetzt ist ihr der Wohlfühltag verleidet. Denn neuerdings muss sie für die Rollstuhlfahrerin in der Jod-Sole-Therme Eintritt zahlen.

Unmittelbar nach dem Kauf einer neuen Zehnerkarte habe ihr der Mitarbeiter an der Kasse eröffnet, dass die Sondergenehmigung für die betagte Dame nicht mehr gelte, erregt sich die Müdenerin. Das Papier hatte Ex-Geschäftsführer Uwe Winter im November 2013 unterschrieben. Brigitte Jaekel wandte sich an Nachfolgerin Sabine Neumann-Heinen. „Meine Mutter kann doch schon lange nicht mehr ins Wasser“, betont die Thermen-Besucherin. Von der Kurgesellschaft bekam sie dennoch eine abschlägige Antwort.

„Wir bieten auch schwerbehinderten Menschen den Beckenzugang über unsere Hebebühnen an“, heißt es in dem Antwortschreiben. „Weiterhin nutzt Ihre Mutter während dieses Zeitraumes ja durchaus unsere Gerätschaften wie zum Beispiel einen Rollstuhl oder profitiert von den warmen Räumlichkeiten und unserem qualifizierten Personal, zum Beispiel bei Rückfragen oder einzelnen kleineren Hilfestellungen bei Bedarf.“ Und weiter: „Ob Ihre Mutter selbst schwimmt oder Ihnen beim Schwimmen zuschaut, ist für uns leider nicht unterscheidbar.“

Aus Gründen der Gleichbehandlung mit anderen schwerbehinderten Gästen könne es keine Ausnahme geben. Gegenüber dem Normaleintritt von 10 Euro könnten die Müdenerin und ihre Mutter jedoch vom ermäßigten Eintritt von jeweils 7,75 Euro für eine Schwerbehinderte mit Begleitperson profitieren.

Damit ist Brigitte Jaekel allerdings nicht einverstanden. In anderen Thermen gebe es freien Eintritt für die Begleitperson. Und sie sei schließlich darauf angewiesen, ihre Mutter mitzunehmen. „Ich habe doch niemanden, der in dieser Zeit auf sie aufpasst.“ Dass sie für den beheizten Aufenthalt zahlen soll, ist aus ihrer Sicht eine Unverschämtheit.

Geschäftsführerin Sabine Neumann-Heinen bedauert den Einzelfall, verweist aber auf andere Schwerbehinderte, die ebenfalls für die Nutzung der Therme zahlen. „Wir müssen unsere Gäste alle vergleichbar behandeln“, betont sie auf AZ-Nachfrage. In der Vergangenheit habe es auch Missbrauch bei Ausnahmegenehmigungen gegeben. „Und wo wir Zugeständnisse machen, geht das auf Kosten der anderen, die das mitfinanzieren.“

Von Gerhard Sternitzke

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