Solarbahn fährt ab 1. Juni durch Bad Bevensen

Mit Panorama-Blick durch die Kurstadt

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Bad Bevensen/Mechtersen. Umweltschonend und mit Panorama-Blick – so reist es sich künftig durch die Kurstadt. Am 1. Juni löst Andreas Gensch mit seiner Solarbahn  Bevensens „Thermelinchen“ ab. Gäste und Einwohner erkunden dann die Kurstadt in zwei verglasten Waggons der wendigen Bahn, die von Lüneburg verschmäht wurde.

Eine Stunde entspricht zehn weiteren Kilometern – Andreas Genschs Betriebseinheit sind Sonnenstunden. Ab dem 1. Juni übernimmt der Mechtersener mit seiner Solarbahn den innerstädtischen Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in der Kurstadt.

Der in Lüneburg verschmähte, umweltschonende Zweiwaggoner löst die von den Bevensern „Thermelinchen“ genannte Kurbahn ab – und deren Stammgäste werden sich umgewöhnen müssen. Denn mit traditioneller Beschaulichkeit und historischem Ambiente, wie es Thermelinchen mit nostalgischem Charme noch zwei Wochen versprühen wird, ist ab Juni Schluss. Rund 110 000 Euro zahlt die Bad Bevensen Marketing GmbH Gensch für den Ganzjahresbetrieb.

Moderne Technik, edles Design und Panorama-Aussicht sind die Stichworte, auf die sich Bevensen künftig einstellen sollte. „Wer mit mir mitfährt, kann alles sehen“, sagt Gensch und nimmt in einem von zwei Wagen Platz. Statt wie bisher werden Gäste in der Solarbahn nicht paarweise hintereinander positioniert, sondern sich in waggonlangen Reihen in den lichtdurchfluteten Anhängern gegenübersitzen. Das habe mehrere Vorteile: „Man hat mehr Beinfreiheit und kann den Ausblick besser genießen“, betont Gensch. Fahren wird die 18 Meter lange und Tempo 25 schnelle Bahn zunächst auf den bekannten beiden Routen durch die Kurstadt – allerdings statt stündlich im 1,5-Stunden-Takt.

Platz ist für 50 Passagiere – für Rollstuhlfahrer oder Rollator-Nutzer fährt Gensch die Rampe aus. „Wir werden niemanden mehr stehenlassen müssen“, kündigt Gensch an, dessen Herz eigentlich an traditionelleren Fortbewegungsmitteln hängt. In Pferdegespannen kutschiert er Touristen durch Lüneburg. Für wen sich die Glastüren der Solarbahn öffnen, der betritt edles Material: brauner Bodenbelag in Holzoptik, braune Velourbänke und Glas, wohin das Auge blickt. „Die Ausstatter sind federführend im Bereich Behindertentransporte“, betont Gensch, der selber aus dem Bereich der Pflege kommt.

In Lüneburg war Gensch mit seiner Solarbahn 2013 gescheitert – unter anderem aus der Furcht, das tuckernde Gefährt könnte in den engen Straßen der Innenstadt die Feuerwehr bei Einsätzen stören oder zu Staus führen, wurde sie abgelehnt. Aus Genschs Sicht ist die Kritik unberechtigt: Die Bahn sei so wendig, dass sie keine Behinderung darstelle. Sorge, dass die Bahn an wolkenverhangenen Tagen schlapp macht, brauchen die Bevenser nicht zu haben – die ausschließlich elektrisch angetriebene Wegebahn wird bei Sonnenschein durch die Solarpaneele auf dem Dach aufgeladen. Mit vollem Saft schafft sie rund 120 Kilometer – scheint die Sonne einmal nicht, kommt die Bahn an die Steckdose. - wb

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