Mit Metal im Gewitter

Open Air in Seedorf: Bands, Fans und Wetter sorgten für reichlich Abwechslung

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Headbangen ab der ersten Minute: Trail of Blood sorgten trotz Hitze für den ersten Höhepunkt des Nachmittags beim Open Air in Seedorf.

Seedorf – Auch ein Gewitter mit heftigem Regen konnte am Sonnabend die Laune der Musikfans nicht trüben. Sie genossen die elfte Auflage des Open Air in Seedorf.

Einige Menschen hören Walgesänge zur Entspannung, andere besuchen Heavy-Metal-Festivals. Dann heißt es, von Zeit zu Zeit in den „Mosh-Pit“ zu springen und zu schnellen Gitarrenriffs die Haare, ob vorhanden oder nicht, fliegen zu lassen. Danach geht’s kopfnickend zum nächsten Kaltgetränk. Mehrere hundert Fans dieses Entspannungsrituals trafen sich am Sonnabend beim elften Open Air in Seedorf.

„Die Kinder haben viel Platz und man muss sich keine Sorgen machen“, erzählt Felix Stier aus Molzen.

Dort bietet ein eigens dafür gegründeter Verein Nachwuchskünstlern eine professionelle Bühne. Davor tummeln sich die Gäste von etwa 6 Monaten bis 66 Jahren. Sie kommen aus der Region, aus Hamburg oder Hannover, lassen sich Bier, Limo, Cocktails oder Bratwurst schmecken und genießen die familiäre Atmosphäre.

Schlag 16 Uhr versetzen Trail of Blood aus Parchim die Lautsprecher in wohlige Schwingungen und sorgen für ein gelungenes Opening. Melodisch und eindringlich bleibt die Stimme von Frontmann Florian Ewert noch eine Zeit im Ohr. Gut eine Stunde später möchten Artemis Rising aus Soltau mit druckvollem Metalcore den Anschluss finden, doch da brauen sich bereits Gewitterwolken über dem Gelände zusammen. Nach 20 Minuten beendet eine Windböe den Auftritt. Im Sound-Pavillon kracht ein Teil der Anlage zu Boden und es wird still. Innerhalb weniger Minuten setzt Starkregen ein.

Entspannt ließen die Metalfans die Gewitterfront vorüber ziehen und sorgten an den Getränkeständen für Umsatz.

Doch kein Grund, den Optimismus zu verlieren. Die Fans versammeln sich unter den Dächern der Bierwagen. Einige glänzen mit Festival-erfahrung, kramen Regenjacken hervor und stapfen mit festem Schuhwerk durch die nasse Wiese. Die Anlage ist schnell wieder einsatzbereit und verkürzt die Wartezeit ausgerechnet mit Schlager.

Ganz entspannt bleiben auch die Ordnungshüter. In zivil gehört Frank Rathje, Polizeichef in Bad Bevensen, zu den Wiederholungstätern unter den Festivalbesuchern. „Die Organisatoren haben alles im Griff und behalten den Überblick. Ein Festival dieser überschaubaren Größe ist eben gut händelbar“, weiß er.

Bei Kraftakt aus Lüneburg und Ebstorf füllte sich die mittlerweile nasse Wiese vor der Bühne schnell wieder.

Mit den ersten Sonnenstrahlen und den Lokalmatadoren von Kraftakt wird es nach einer Stunde auf und vor der Bühne wieder lebhaft. Die sechs Jungs aus Lüneburg und Ebstorf überzeugen mit facettenreichem Sound, deutschen Texten und zwei Leadsängern, die es verstehen, sich die Bälle zu zuspielen und rasante Wechsel zwischen Klargesang und markantem Shouting zu meistern.

Das Publikum feiert. „Ich liebe dieses Festival. Die Stimmung ist friedlich, die Musik klasse und jeder gibt sich so viel Mühe“, verrät Martin Greinke. Er ist zum sechsten Mal dabei und hatte seinen Kumpels von Kraftakt empfohlen, sich beim Seedorf Open Air zu bewerben. Sie haben es getan, gemeinsam mit 400 weiteren Bands, und sind verdient im Line-up gelandet.

Auch Not my Art heizten dem Publikum ordentlich ein.

Wer zu diesem Zeitpunkt noch Spannungen verspürte, hatte noch bis Mitternacht Gelegenheit, sich diese von Not my Art, Empire of Giants, Mära und dem Headliner Iron Horses aus den Gliedern fegen zu lassen. Auf dem Heimweg könnten allerdings leichte Ohrengeräusche zu den Nebenwirkungen dieses entspannten Wellnesstages gehört haben.

VON JANIN THIES

Metal in der Lüneburger Heide: Seedorf Open Air 2019

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