Bad Bevensen ist Ziel der ADAC Niedersachsen-Classic / Die AZ traf die ersten Automobilisten

Mit Ohrstöpseln auf Tour

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Udo Jürgens am Steuer seines Lloyd Alexander. Frontantrieb, quer eingebauten Motor und hydraulische Bremsen gab es schon 1961.

Bad Bevensen. „Wer den Tod nicht scheut, fährt Lloyd“, lautete einst ein Bonmot unter Autofahrern. Die ersten Kleinwagen des Bremer Herstellers mit dem Spitznamen Leukoplastbomber waren anstelle von Blech mit Kunststofffolie bespannt.

„Wenn ein Riss drin war, ging man in die Apotheke und holte sich ein Pflaster“, erzählt Udo Jürgens. Ja, er heißt wirklich so, der Pensionär, der gestern mit dem knallroten Lloyd im Bevenser Kurpark vorfährt. Insgesamt erwartet der ADAC zur Niedersachsen-Classic-Rallye 150 Oldtimer, die heute auf eine Ausfahrt nach Bispingen starten.

Dabei stiehlt der knubbelige Loyd Alexander, bereits in Stahlblech, durchaus doppelt so langen Limousinen die Schau. Die Menschen bleiben stehen, verwickeln Jürgens an der geöffneten Motorhaube in Fachgespräche. „Der Lloyd war zu seiner Zeit ein modernes Auto“, sagt der 77-jährige Geologe. „Er hat Frontantrieb, einen quer eingebauten Motor und hydraulische Bremsen.“ Auf eine Klimaanlage muss er verzichten. Auf längeren Fahrten in dem 25 PS starken Vehikel benutzt der Celler Ohrstöpsel.

57.000 Kilometer hat der Lloyd aus dem letzten Produktionsjahr 1961 erst auf dem Buckel, und er ist absolut zuverlässig, wie Jürgens betont. Dennoch hat er die wichtigsten Ersatzteile im Kofferraum dabei. Drei Automobilisten haben im Vorfeld abgesagt, weil ihre Wagen in die Reparatur müssen, wie André Pasler, Organisator der Rallye, mitteilt.

Auf der Ausfahrt, die von der ADAC-Ortsgruppe Bevensen vorbereitet wurde, geht es auch nicht um Schnelligkeit. Wenn der Lloyd-Pilot mit 90 Sachen auf der Bundesstraße unterwegs ist, vermisst er diese Rücksichtnahme zuweilen. „Jeder überholt. Wenn er dann scharf abbremst, komme ich in Schwierigkeiten“, erzählt Jürgens. Die Bremsen sind nicht so stark wie bei heutigen Autos. „Deswegen fahre ich immer auf Abstand.“

Wolfgang Günther aus Glücksburg befestigt das Rallye-Schild an dem R 4 seiner Frau.

Oldtimer sind offenbar Gefühlssache. „Der Lloyd war mein erstes Auto im Studium“, erzählt Jürgens. Und so geht es auch Birgit Günther aus Glücksburg, die mit ihrem Renault 4 in Bad Bevensen ist. „Als wir 20 waren, sind wir mit einem solchen Auto nach Jugoslawien gefahren.“ Den R 4 hat ihr Mann Wolfgang restauriert. Sein Vorteil: Er ist Kfz-Meister. Von den früheren Vorurteilen gegen den Franzosen bestätigt er nur eines: „Die Technik ist super. Sehr leicht zu reparieren. Wo man aufpassen muss, ist die Karosserie. Die rostet schneller, als man zugucken kann.“ In der Kurve neigt sich das 26 PS starke Gefährt mit der typisch weichen Federung gefährlich zur Seite. „Aber man braucht keine Angst zu haben, dass der R 4 umkippt“, beruhigt Günther.

„Man muss viel vorausschauender fahren. Und beim Anfahren mehr Gas geben“, erklärt Markus Liebig. Der 27-Jährige ist mit einem Ford 15 M am Kurhaus. „Er war zu dem Zeitpunkt, wo ich ihn gekauft habe, erschwinglich“, erzählt der Produktionswerker aus Hannover. Und dann zeigt er unter der Haube den V 4-Motor. Die Lenkradschaltung ist gewöhnungsbedürftig. „Aber man gewöhnt sich schnell daran.“ Auch an das Navigationssystem hat er sich gewöhnt. Das hängt als kleiner Stilbruch an der Windschutzscheibe.

Oldtimerrallye ADAC Niedersachsen Classics

Von Gerhard Sternitzke

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