Verband lässt eigene Wasserproben auf Nitrat untersuchen

Nitratbelastung: Bauern im Landkreis Uelzen zweifeln Messwerte an

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Ein Landwirt düngt sein Feld bei Wessenstedt. Weil in Messbrunnen Nitrat gefunden wurde, dürfen viele Bauern im Landkreis Uelzen zukünftig nur noch 20 Prozent weniger Dünger ausbringen.

Wulfsode/Landkreis – Der Brunnen ist unscheinbar. Hier wird kein Trinkwasser gefördert. Hier werden keine Kühe getränkt und auch keine Felder gewässert. Und dennoch hat es die Messstelle in Wulfsode in sich.

In diesem und zwei weiteren Brunnen – einem in Reinstorf und einem im Landkreis Lüneburg, wurde der Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter überschritten. Für die Bauern in der westlichen Hälfte des Landkreises Uelzen hat das ernste Folgen: Aufgrund der neuen Düngeverordnung dürfen sie zukünftig voraussichtlich pauschal 20 Prozent weniger Dünger streuen.

„Das sind 1.000 Familien in Nordostniedersachsen, die komplett betroffen sind“, sagt Thorsten Riggert, Vorsitzender des Bauernverbands Nordostniedersachsen. „Es geht hier um die Existenz. Da bleibt keiner übrig.“ Wenn man Mitarbeiter, Verpächter und Beschäftigte in Unternehmen wie Zuckerfabrik, Uelzena und Stärkefabrik Lüchow mitrechne, seien 25.000 Menschen in der Existenz bedroht – obwohl fast alle Messstellen einwandfreie Ergebnisse geliefert hätten. Die Ursache: Betrachtet wird der gesamte Grundwasserkörper, und der geht durch die Landkreise Lüneburg, Uelzen und Celle.

„An zwei Stellen ist die Landwirtschaft definitiv nicht der Verursacher“, betont der Klein Süstedter Landwirt. Wulfsode liege zum größten Teil im Truppenübungsplatz Munster, der Rest sei Wasserschutzgebiet. Stattdessen vermutet Riggert Munitionsreste als Quelle der Verunreinigung. Der Brunnen bei Reinstorf könne von Altlasten der ehemaligen Munitionsfabrik in Bad Bodenteich betroffen sein. Als allgemeine Ursache für Nitratbelastungen nennt Riggert auch defekte Abwasserkanäle.

Der Bauernverband hat 130 Gewässerproben untersuchen lassen, die Landwirte aus ihren Beregnungsbrunnen zur Verfügung gestellt haben. Davon seien mindestens 95 Prozent deutlich unter dem Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat gewesen. Das Trinkwasser werde aus viel tieferen Grundwasserhorizonten gewonnen. Von Hysterie spricht Riggert in diesem Zusammenhang.

„Wenn man nicht düngt, ist der Boden irgendwann tot“, sagt der Bauernvertreter. Das gelte vor allem für die Gründüngung, Pflanzen, die zwischen Ernte und neuer Frucht eingesät werden, um Humus in den Boden zu bringen. Wenn diese Pflanzen nach der neuen Verordnung nicht gedüngt werden dürften, würden sie auch nicht wachsen. Schlimmer noch: Riggert befürchtet, dass die Landwirte zukünftig noch weniger Dünger streuen dürfen. Denn die Menge werde nach der Ernte, also dem, was dem Boden entzogen wurde, berechnet.

Die Landwirtschaft habe bereits bislang die Düngermenge reduziert und weniger Pestizide ausgebracht. Die Bauern sperrten sich auch nicht gegen moderate Veränderungen, betont Riggert. „Aber wir müssen davon leben können.“

VON GERHARD STERNITZKE

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