Architekten zweifeln an Zusammenarbeit / Politik liefert sich Scharmützel um Verwaltungsvorlagen

Nervenkrieg um Kita-Anbau in Bad Bevensen

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Marcel Monard präsentierte dem Bauausschuss die aktuellen Planungen für die Erweiterung am kirchlichen Kindergarten – kurz darauf kam es zur hitzigen Debatte über mangelhafte Vorlagen der Verwaltung.

Bad Bevensen. „Wenn das so weiter geht, weiß ich nicht, ob ich Lust habe, weiter mit Ihnen zusammenzuarbeiten. “ Carola Gräflich musste sich sichtlich zu diesen klaren Worten durchringen.

Doch am Ende der jüngsten Bad Bevenser Bauausschuss-Sitzung am vergangenen Dienstag war die Architektin mit ihrer Geduld am Ende. Auslöser dafür war ein politisches Hin und Her gewesen, das beinahe dafür gesorgt hätte, dass die Planungen für eine Erweiterung des Kindergartens wieder ins Stocken kommen.

Um es vorweg zu nehmen: Der Verwaltungsausschuss (VA) der Stadt Bad Bevensen hat gestern Abend dann doch noch mehrheitlich grünes Licht für die weitere Ausgestaltung gegeben. Und somit steht jetzt fest: Der Anbau ans Kita-Zentrum an der Röntgenstraße soll statt einer Keramikfassade jetzt eine Holzfassade erhalten.

Auslöser für die Kontroverse im Bauausschuss war Folgendes: Christian Hüwing (BfB) und Birgit Ahders (SPD) hatten kritisiert, dass die Verwaltung keine vernünftigen Sitzungsunterlagen vorbereitet hatte, auf deren Grundlage man sich mit seiner Fraktion hätte beraten können. Für eine Empfehlung an den VA, der gleich zwei Tage später endgültig entscheiden sollte, sah man sich nicht in der Lage. „Dann wird das eben drei oder vier Wochen später“, warf Birgit Ahders achselzuckend ein.

Schon die Einladung zur Sitzung sei wenig aussagekräftig gewesen, monierte Christian Hüwing. „Alternativen zur Fassadengestaltung“ hatte es da geheißen. Um welche Optionen es gehe, sei nicht erkennbar gewesen. „Diese Art und Weise kann so nicht akzeptiert werden“, rüffelte Hüwing die Verwaltung.

Bauamtsleiter Roland Klewwe verteidigte das Vorgehen, das nicht anders gelaufen sei als sonst. Aus seiner Sicht sei es sehr wohl möglich für die Bauausschuss-Mitglieder, eine Entscheidung pro oder contra Holzfassade zu fällen.

Die Kosten für eine Fassade aus Lärchenholz fallen übrigens rund 54 000 Euro niedriger aus als die für eine Keramikfassade. Mit dieser Einsparung kann nun eine allgemeine Kostensteigerung des Projekts wieder aufgefangen werden – denn nicht nur die Zeit ist bei der langwierigen Entscheidungsfindung davon gelaufen, auch die Baukosten sind es längst.

Gabriele Meyer (WBB) pflichtete Hüwing und Ahders ein Stück weit bei. „Wenn man eine kleine Vorlage gehabt hätte, wäre uns diese Diskussion erspart geblieben“, sagte sie und appellierte an die Verwaltung, künftig entsprechend vorzugehen. Zuvor hatte sie Carola Gräflich und ihren Architektenkollegen Marcel Monard gefragt, ob sie „noch weitere kreative Ideen für Einsparungen“ hätten. Diese hatten gerade ausgiebig und detailliert die angepassten Pläne vorgestellt.

Ausschussvorsitzender Jürgen Schliekau (CDU) war es schließlich, der in dem turbulenten Sitzungsgeschehen zur Ordnung rief: „Wir haben jetzt so viel Zeit verschwendet“, schimpfte er und betonte: „Wir im Rat haben diese Kostensteigerung zu verantworten!“ Man diskutiere schon so lange. „Und wir sind noch keinen Schritt weiter. Ich bin wirklich ein bisschen entnervt.“

Das traf auch auf die Architekten zu, die von der Kontroverse spürbar schockiert waren. Carola Gräflich betonte: „Wir arbeiten nie so, dass man uns misstraut.“ Und bis jetzt hätten sie und Monard „viel Geduld gehabt“ mit den Bevensern und ihren Diskussionen. Für sie, stellte Gräflich fest, wäre es „eine extreme Mehrbelastung“, wenn sich das Prozedere nun noch weiter in die Länge ziehen sollte.

Mit dem Beschluss des VA von gestern Abend ist die Kuh zunächst aber vom Eis. Zum Jahresende könnten die Bauarbeiten nun tatsächlich losgehen. Wenn es keine weiteren Verzögerungen mehr gibt.

Von Ines Bräutigam

Kommentar: Es trifft die Falschen

Unergiebige Debatten über Kosten und Grundsätzliches, die den Zeitplan über den Haufen warfen – in Sachen Kindergarten-Erweiterung hat sich die Bevenser Politik bislang nicht mit Ruhm bekleckert. Und als hätte man nichts daraus gelernt, ging es jetzt munter weiter mit dem Gerangel. Mag sein, dass eine erklärende Vorlage der Verwaltung der bessere Weg gewesen wäre. Und immer wieder die Kosten zu hinterfragen und grundsätzlich für eine andere Lösung zu sein – schön und gut. Der Anbau ist aber beschlossene Sache. Und politische Grabenkämpfe, verletzte Eitelkeiten, Prinzipeinreiterei und Lehrstücke für die Verwaltung treffen nur noch die Falschen: die Kinder, deren Eltern. Und jetzt auch die Architekten. (ib)

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