Die Bad Bevenserin Martha Wendt und der NABU suchen Mitstreiter

Nähen für die Umwelt

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Blumen, Streifen und Karos – die Muster- und Farbenvielfalt der Taschen kennt keine Grenzen. Etwa 40 Minuten arbeitet Martha Wendt an jedem umweltfreundlichen Exemplar.

Bad Bevensen. Ein luftdurchlässiger für das Obst, ein besonders stabiler für die schweren Milchtüten – Martha Wendt hat für jede Gelegenheit einen Stoffbeutel.

Rund 50 Stück mit unterschiedlichsten Farben, Mustern und Stoffstärken stapeln sich inzwischen in dem Haus der Bad Bevenserin – alle selbst genäht, und das nicht nur für den Eigenbedarf. Doch wer denkt, die 68-Jährige hat einfach nur Spaß am verschenken von Unikaten, der irrt. Hinter der Nähleidenschaft steckt ein höheres Ziel: Naturschutz. „Ich will diese ganzen Plastiktüten nicht mehr sehen“, sagt sie und schüttelt den Kopf. Darum sucht sie nun gemeinsam mit der Uelzener Kreisgruppe des Naturschutzbunds (NABU) Mitstreiter im Kampf gegen den Plastikmüll. „Egal, wo man hinkommt, überall werden einem Plastiktüten in die Hand gedrückt. Aber das Problem ist doch: Es dauert 500 Jahre, bis das Plastik verrottet ist, und dann gelangt es wieder in die Nahrungskette“, erklärt Karl-Heinz Köhler, Vorsitzender der Uelzener NABU-Kreisgruppe.

Martha Wendt widersteht der Verlockung Plastiktüte täglich. Im Auto und in ihrem Rucksack liegt stets eine umweltfreundliche, selbst genähte Stoffvariante bereit – so ist sie auch bei Spontaneinkäufen gerüstet. „Die Stoffbeutel kann man dann so lange nutzen, bis sie auseinanderfallen“, sagt die Pensionärin. Damit immer mehr Bevenser künftig ähnlich gut präpariert sind, mögen sich Näherinnen und Schneider oder solche, die es werden wollen, bei ihr unter (0 58 21) 4 17 92 melden. Willkommen sind auch Interessierte, die nicht selber Nadel und Faden in die Hand nehmen, aber die Aktion finanziell unterstützen wollen: So sind Stoff- und Nähmaschinenspenden beispielsweise willkommen. Genäht würde ehrenamtlich. Rund 20 Minuten benötigt Martha Wendt zum Zuschneiden einer der schlichten Stoffbeutel. Weitere 20 Minuten nimmt bei der in Handarbeiten geübten Bevenserin der Nähvorgang in Anspruch.

Die fertigen Taschen sollen nach zwei Prinzipien unter die Leute gebracht werden: im Tausch gegen neue Stoffreste oder gegen einen geringen Bargeldbetrag. Dieser soll dann wiederum dem NABU zugute kommen. „Vielleicht haben ja Frauen aus Altenheimen oder Kindergruppen Lust mitzumachen – schwer ist es nicht“, ermutigt Martha Wendt. Sie selber näht, seitdem sie fünf Jahre alt ist: „Ich bin praktisch unter der Nähmaschine aufgewachsen.“ Mit Stoff versorgt wird die pensionierte Berufsschullehrerin hauptsächlich von einem Bevenser Dekorations-Geschäft. Stoffreste oder Farbmuster landen in ihren Händen – alle halbe Jahre hole sie sich die Bahnen ab. Neue Stoffe für ihre Taschen zu kaufen, kommt für die Bevenserin nicht in Frage: Es gehe ja nicht nur um Naturschutz, sondern auch um Nachhaltigkeit. „Jeans, Bettwäsche und Gardinen – aus allem kann man Taschen machen. Auch Krawatten oder Oberhemden gehen“, sagt Martha Wendt, weist aber zugleich darauf hin: Stabil müssten die Stoffe sein.

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