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Nadelöhr Bad Bevensen: Bei Bahn-Resolutionen bricht ein alter Interessengegensatz auf

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ICE auf der Durchfahrt im Bevenser Bahnhof.
Ein ICE rauscht durch den Bevenser Bahnhof. Müssen ganze Häuserreihen abgerissen werden, um die Bahnstrecke dreigleisig auszubauen? © Privat

Der Widerstand formiert sich. Nachdem die Bahnpläne für eine Neubaustrecke der Bahn mitten durch den Uelzener Stadtwald bekannt wurden, haben sich der Uelzener Stadtrat und der Kreistag eindeutig gegen die Pläne und für den Ausbau der Bestandsstrecke stark gemacht (AZ berichtete). Für Erstaunen sorgte die Enthaltung von zwei Grünen-Politikern bei der ansonsten einstimmigen Kreistagsresolution.

Bad Bevensen – Die Begründung der Fraktionsvorsitzenden der Gruppensprecherin Katja Schaefer-Andrae macht zugleich den offenen Riss zwischen Stadt Bad Bevensen und Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf deutlich.
„Wir sind nicht dagegen“, erklärt die Bevenser Kommunalpolitikerin, die auch Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stadtrat ist. Man sei ebenso wie der Rest des Kreistags gegen eine Zerschneidung der Landschaft und gegen ein Abhängen der Kurstadt und Uelzens vom Fernverkehr. „Da sind wir in einem Boot.“

Was nach ihren Angaben den Ausschlag gab, war eine Änderung der von der SPD eingereichten Resolution. Beschlossen wurde, dass sich der Kreistag gegen jegliche Neubaustrecke wendet. Das ist politisch geschickt, weil sich der Kreis damit mit dem Protest gegen eine Trasse entlang der A 7 solidarisiert.

Abweichende Interessen der Stadt Bad Bevensen

„Da möchte ich so ehrlich bleiben: Die Interessen der Menschen und die Interessen der Stadt Bad Bevensen müssen gewahrt werden“, stellt Katja Schaefer-Andrae klar. „Auch in Bad Bevensen müssten beim Ausbau durch die Stadt voraussichtlich ganze Häuserzüge weggerissen werden.“ Bad Bevensen und Lüneburg seien die Nadelöhre beim Bahnausbau. Als Vertreter des ganzen Landkreises müsse sich der Kreistag für eine Bahnanbindung und Trassenführung für alle Bewohner einsetzen.

Die Stadt hat sich wegen dieser Bedenken vor Jahren gegen Alpha-E und den dreigleisigen Ausbau bis Uelzen und für die A 7-Lösung ausgesprochen. Anders als die Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf, die den Bestandsausbau favorisierte. Gerade hat die Gruppe CDU/FDP gefordert, die Landkreis-Resolution zu übernehmen.

Wie viele Häuser müssten für ein drittes Gleis weichen?

Samtgemeindebürgermeister und Stadtdirektor Martin Feller (Grüne) hatte bereits mehrmals vor den Folgen eines Bahnausbaus in der Stadt gewarnt. „In Medingen und und Bruchtor stehen die Häuser direkt an den Gleisen“, gibt der Verwaltungschef zu bedenken. „Ich vermute, dass die Abstände zwischen den Gleisen größer werden und dass der Platzbedarf wächst.“ Genaue Zahlen möglicherweise betroffener Häuser liegen jedoch im Rathaus nicht vor. In Bad Bevensen müssten voraussichtlich nur Gewerbegebäude geräumt werden.

Von der Neubautrasse der Bahn, die von Radbruch bis Hamerstorf westlich der Bestandsstrecke verlaufen würde, wäre die Samtgemeinde einschließlich Bad Bevensen betroffen, macht Feller deutlich. So würde die Trasse, die von der Bahn bislang nicht veröffentlicht wurde, auch Seedorf und Jelmstorf passieren.

Mit der unsicheren Informationsgrundlage argumentiert auch Katja Schaaefer-Andrae. „Wir reden im luftleeren Raum. Es muss gut abgewogen werden. Dafür brauchen wir die Pläne der Bahn.“

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