Andere Windräder laufen weiter

Nach Absturz eines Rotorblatts in Hanstedt I: Energiekontor wechselt Gutachter

+
Die Fläche rund um das havarierte Windrad bei Brauel wird abgesperrt. Das gebrauchte Rotorblatt, das nach dem ersten Unfall verbaut wurde, ist eigens verstärkt worden. 

Brauel – Herbst ist Erntezeit. Munter drehen sich die Windräder zwischen Hanstedt I und Arendorf. Die Stromzähler rattern. Nur eine Anlage steht still.

Der Stummel seines im Sturm abgebrochenen Flügels ragt mahnend in die Höhe – für die Bewohner des nahegelegenen Dorfs Brauel ein Déjà-vu. Wie bereits im Februar ist im Sturm Ende September ein Rotorblatt von der Anlage abgerissen und auf dem Acker zerschellt. Ein Beleg der Gefahr, die von alten Windkraftanlagen ausgeht, wie der TÜV-Verband mahnt?.

Beim Betreiber, der Energiekontor AG aus Bremen, ist man weiterhin ratlos, was die Ursache der neuerlichen Havarie war. Zur Aufklärung der Umstände wurde erneut ein Gutachter beauftragt, allerdings ein anderer als im Februar. Sein Vorgänger hatte dem ersten abgestürzten Flügel des 2012 aufgelösten Herstellers Fuhrländer einen Konstruktionsfehler attestiert, der bei stark wechselnden Winden zum Bruch führen könne.

Peter Alex, Sprecher von Energiekontor

Der gebrauchte Flügel, der schließlich als Ersatz montiert wurde, war auf den Rat des Gutachters hin an den Schwachstellen von innen verstärkt worden, betont Energiekontor-Sprecher Peter Alex. „Das wurde vom Gutachter drei Wochen vorher abgenommen. Deswegen sind wir ziemlich schockiert.“ Neue Rotorblätter stehen nach seinen Angaben für diese Altanlagen nicht mehr zur Verfügung.

Auch die anderen beiden Windräder des Teilwindparks Brauel sind Fuhrländer-Anlagen. Das Energiekontor sieht aber keinen Anlass, sie abzuschalten. „Die anderen beiden Anlagen laufen einwandfrei“, betont Alex. In dem zum zweiten Mal havarierten Windrad sei dagegen wohl der Wurm drin. Mit 150.000 Euro beziffert der Unternehmenssprecher den jüngsten Schaden.

Zu der Forderung des TÜV-Verbands nach häufigeren und unabhängigen Kontrollen von Windkraftanlagen stellt Alex klar: „Keiner fährt die Anlagen auf Verschleiß. Es ist im Interesse des Unternehmens den neuesten Standard zu halten.“ Schließlich seien Ausfallzeiten teuer. Viele der Prüfer bei beauftragten Firmen seien im Übrigen vom TÜV zertifiziert.

Zunächst einmal hat Energiekontor die Fläche rund um das havarierte Windrad, absperren lassen. Hier wartet der zerstörte Flügel auf den Gutachter. Bis die Ursache des zweiten Absturzes ermittelt ist, dürften wieder Monate vergehen.

VON GERHARD STERNITZKE

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare