Letzte Abfuhr

Müllfahrzeuge fahren Sackgassen nicht mehr an: 100 Betroffene in Bevensen

Mülltonnen am Bevenser Ginsterweg. Zukünftig müssen die Bewohner ihre Mülltonnen bis zum Bückmannweg ziehen. Die 71-jährige Brigitta Herwig sieht sich dazu nicht in der Lage.
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Mülltonnen am Bevenser Ginsterweg. Zukünftig müssen die Bewohner ihre Mülltonnen bis zum Bückmannweg ziehen. Die 71-jährige Brigitta Herwig sieht sich dazu nicht in der Lage.

Bad Bevensen – In allen Schattierungen von Schwarz stehen sie am Wendehammer im Ginsterweg: An Freitagen werden die Mülltonnen in Bad Bevensen geleert. Im Ginsterweg war es allerdings die letzte Müllabfuhr.

Zukünftig müssen die Anwohner von Sackgassen ihre Tonnen zur nächstgelegenen Straße ziehen (AZ berichtete), in diesem Fall ist das der Bückmannweg. An dieser Neuregelung gibt es weiterhin Kritik, gerade von älteren und körperlich eingeschränkten Bürgern.

„Ich habe ein künstliches Knie, und das zweite fängt auch schon an“, sagt Brigitta Herwig. „Ich bin nicht in der Lage, die Tonne bis zum Bückmannweg zu ziehen.“ Bis zum Lyraweg, den der kreiseigene Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) als Alternative angeboten hat, erst recht nicht, denn in dem kleinen Fußweg müsste sie auch noch Treppenstufen überwinden. Verschärfte Bedingungen gelten zudem im Winter, betont die Bevenserin, denn der Ginsterweg werde im Winter von der Stadt nicht geräumt.

Der AWB könne deshalb nicht einfach per Federstrich die Müllabfuhr in einer Straße streichen. „Das ist ein Unding“, findet die 71-Jährige, die selbst einen Schwerbehinderten-Ausweis besitzt. „Wir sind hier alle ältere Leute in der Straße.“

Landkreis-Sprecher Martin Theine verweist auf AZ-Nachfrage auf die Vorschriften der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. „Müll darf nur abgeholt werden, wenn die Zufahrt zu Müllbehälterstandplätzen so angelegt ist, dass ein Rückwärtsfahren nicht erforderlich ist“, heißt es dort. „Wenn keine geeignete Wendemöglichkeit vorhanden ist, dürfen Sackgassen mit Müllsammelfahrzeugen nicht befahren werden.“

Die Regeln sind aufgrund tödlicher Unfälle mit Müllfahrzeugen geändert worden. „Der Landkreis hat sich an geltendes Recht beziehungsweise geltende gesetzliche Vorgaben zu halten“, stellt Sprecher Theine klar. „Die kommunale Entsorgungspflicht beziehungsweise Daseinsvorsorge umfasst ausdrücklich nicht die Entsorgung direkt am Grundstück des Anschlusspflichtigen.“

Nach Auskunft des Landkreises sind rund 100 Haushalte an 20 Straßen in Bad Bevensen von den Einschränkungen betroffen. Im gesamten Kreisgebiet werden insgesamt 500 Bereiche nicht mehr vom AWB angefahren. Wie lang die zusätzlichen Wege für die Bürger sind, wurde laut Theine noch erhoben, weil die kreisweite Gefährdungsbeurteilung noch nicht abgeschlossen ist. Bei den bislang umgesetzten Maßnahmen seien es meist weniger als 100 Meter. „Kleinere Müllfahrzeuge könnten aufgrund der geringen Zuladung und der hohen Anschaffungs- und Unterhaltungskosten nicht wirtschaftlich betrieben werden“, betont Theine. Im Ginsterweg gibt es einen kleinen Wendehammer. Selbst große Baulaster hätten dort gewendet, erzählt Brigitta Herwig. Elf Meter misst der Wendehammer, so Theine. Einige Fahrzeuge könnten dort nicht wenden. VON GERHARD STERNITZKE

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