Bevenser schließen sich landesweiter Aktion an / Uelzener noch unentschlossen

Morgen streiken Apotheker

Schließen sich zusammen: Die Bad Bevenser Apotheker Rolf Nebel, Thomas Milling und Ingo Apel (von links) werden am Donnerstag mit besonderen Aktionen auf die Situation der Branche aufmerksam machen. Foto: Ph. Schulze

Bad Bevensen/Landkreis. Nur eine notdürftige Besetzung, Medikamentenausgabe per Notfallklappe, geschlossene Eingänge, Absperrungen oder abgedunkelte Bedienungsräume – in manch einer Apotheke im Landkreis Uelzen dürften Kunden am Donnerstag vor ungewohnter Kulisse stehen.

Denn ein Teil der Apotheker wird streiken – oder zumindest „bummeln“.

Der Grund: Die Gesundheitsreform hat den Apothekern ihrer Meinung nach übel mitgespielt. Sie fordern eine Honorarerhöhung von rund einem Euro pro verordnetem Medikament auf 9,14 Euro. Der Bund plant bislang jedoch nur ein Plus von 25 Cent. Vom 1. Januar 2013 an soll die neue Regelung greifen. Die Apothekenkammer Niedersachsens hat darum landesweit zum Streik aufgerufen. Komplett schließen, dürfen die Apotheker rechtlich nicht – mit Einschränkungen müssen Kunden aber rechnen. „Wir raten jedem, wichtige Medikamente bereits am Mittwoch zu besorgen. Am Donnerstag wird nur ein Notbetrieb vorgehalten“, erklärt Ingo Apel, Inhaber der Ratsapotheke in Bad Bevensen und Sprecher der Apotheker der Kurstadt. Auch in kleineren Gemeinden des Landkreises würden sich, Apel zu Folge, die Berufskollegen an der Aktion beteiligen. „Es gibt zu viele Posten an unserer Arbeit, die unrentabel sind – und daran muss sich etwas ändern“, sagt Apel. So würden sich Notdienste beispielsweise an kleineren Standorten nicht lohnen. Denn pro bedientem Patient würde die Apotheke nur mit 2,50 Euro gefördert. Der Mitarbeiter müsste aber für die vollen Stunden entlohnt werden – oft ein Minusgeschäft für die Apotheke. „Wir würden uns hier eine Pauschale für die Notdienste wünschen“, sagt der Bad Bevenser Apothekeninhaber.

Ein weiteres Problem: Das Modell, aus dem der Gewinnanteil errechnet wird, basiere laut Apel, auf veralteten Vorstellungen: „Wir fordern hier mehr Dynamik.“ Zudem sei durch die Reform der Verwaltungsaufwand für die Apotheker stark gestiegen. Apel: „Dadurch wird manches unrentabel.“

In Uelzen äußerten sich die Apotheker gestern auf AZ-Nachfrage zögerlicher als ihre Bad Bevenser Kollegen. Flächendeckende Absprachen gibt es in der Uhlenköperstadt bisher zu dem Streik keine – obgleich viele mit den Plänen des Bundes auch nicht einverstanden sind. „Die Aktion ist berechtigt, bei uns aber nicht durchführbar“, erklärt Ralf Meinheit, Inhaber der Uelzener Adler-Apotheke. „Wir bedienen jeden Tag 250 Kunden. Das geht nicht durch die Notfallklappe. Außerdem ist es schwierig den Kunden zu erklären, warum man streikt.“ Die Apotheker hätten schlicht nicht die Lobby wie Ärzte. Johannes Dornfeldt, der als pharmazeutisch Technischer Assistent (PTA) in der Apotheke am Hambrocker Berg in Uelzen angestellt ist, findet noch klarere Worte: „Wir hatten enorme Belastungen durch die so genannte Gesundheitsreform. (...) Und nun sollen wir über die nächsten Jahre mit einer Erhöhung um drei Prozent auskommen. Wir leisten mehr als nur das Verabreichen von Medikamenten. Es gibt auch den seelsorgerischen teil am Patienten – und der will bezahlt werden.“ Seite 6

Von Wiebke Brütt

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