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Mit Papas Auto zum Einbruch: Erstes Geständnis nach Einbrüchen in Uelzener Vereinsheimen

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Vor Prozessbeginn im Landgericht Lüneburg.
Prozessbeginn wegen einer Serie von Einbrüchen in Vereinsheime im Landgericht Lüneburg. Einer der Angeklagten legt am ersten Tag ein umfassendes Geständnis ab. © Sternitzke, Gerhard

Eine Serie von Einbrüchen in Vereinsheime im Landkreis Uelzen und in Lüchow-Dannenberg hält die Polizei im Frühjahr und Sommer vorigen Jahres in Atem. Gestern begann vor der zweiten Jugendkammer des Landgerichts Lüneburg der Prozess gegen vier junge Männer und zwei Frauen im Alter von 19 bis 21 Jahren – eine von ihnen wegen eines positiven Corona-Tests entschuldigt – die ebenso gut aus einer der Sportmannschaften stammen könnten.

Lüneburg –Tatsächlich sollen die jungen Leute aus dem Kreisgebiet – in wechselnder Besetzung – teilweise täglich auf Beutetour gewesen und Maschinen, Treibstoff und andere Güter im Wert von 30 000 Euro entwendet haben. Zum Teil wurde dazu Papas Auto genutzt.

Auch Cola und Bratwürstchen wurden nicht verschmäht

Der erste Angeklagte – von Richterin Dr. Lidia Mumm auf eigenen Wunsch geduzt – schildert in einem umfangreichen Geständnis, wie er und seine Kumpels mit der Akkuflex oder einer Brechstange die Türen der Vereinsheime knackten. Beim TuS Ebstorf gelangen sie über einen aufgestellten Fahrradständer und ein Dachfenster ins Innere. Mitgenommen wird, was man tragen und rollen kann: Laubbläser, Heckenscheren, Kompressoren oder auch Laptops. Das Geld sei aufgeteilt worden. Die jungen Leute verschmähen aber auch nicht Kisten mit Cola und Bier, Schnaps und Packungen mit Bratwürstchen für den Eigenverbrauch.

„Bei den Sportvereinen war das Risiko nicht so groß, erwischt zu werden“, erklärt der 19-Jährige. In einem Fall, beim MTV Himbergen, wird ein Wagen mit Getränken vom Schützenplatz mit dem Auto bis zum nächsten Waldweg geschleppt und aufgebrochen. Einmal werden auch verräterische Überwachungskameras abmontiert.

Ziel der Beutetouren waren abgelegene Vereinsheime

Alles beginnt laut dem Angeklagten im März 2021 mit einer Spritztour zu einem Kasernengelände in Bonese in der Altmark, einem Lost Place, einem verlassenen Ort, wo man was kaputt machen und Brauchbares mitnehmen wollte, so der Angeklagte. Er selbst habe einen Minibagger gestartet, um die Tore der Garagenanlage gewaltsam zu öffnen. Weil man Spuren hinterlassen haben könnte, wurde die Anlage in Brand gesetzt.

Durch die Beute ermutigt macht die Gruppe weiter. Einmal wird ein Transporter an einer kleinen Straße geleert und angezündet. Der Angeklagte fährt nach eigenen Angaben, obwohl er keinen Führerschein besitzt, öfter den Tatwagen. Mit dem Feuerlegen sei er jedoch nicht einverstanden gewesen, gibt er zu Protokoll. So gehen in einer Nacht 135 Rundballen in Flammen auf. Einmal habe man selbst die Feuerwehr gerufen, um den Verdacht abzulenken.

Zwischendurch kommt es offenbar zum Bruch mit einem aus der Clique. Der betreffende Mittäter habe zu viel erzähl, sagt der Angeklagte. Offenbar gibt es bei den Taten bis zur Aufdeckung im August 2021 auch Mitwisser. Für 300 Liter Diesel, die aus dem Tank eines Traktors gezapft werden, gibt es schon einen Abnehmer. Häufiger auch wird für die Einbruchstouren ein Transporter von einem Bekannten genutzt. „Wenn wir seinen Bulli kriegen, kriegt er die Sachen billig“, erklärt er.

Lohn für das kooperative Verhalten des Angeklagten: Der Haftbefehl gegen ihn wird gestern aufgehoben. Am zweiten Prozesstag am 31. März werden drei Zeugen gehört.

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