1. az-online.de
  2. Uelzen
  3. Bad Bevensen

Mit guter Prognose hinter Gitter?

Erstellt:

Kommentare

Aufgang zum Landgericht Lüneburg.
Fünf Jahre und neun Monate Haft fordert der Staatsanwalt im Prozess gegen einen mutmaßlichen Dealer vor dem Landgericht Lüneburg. Der Verteidiger hält weniger als zwei Jahre auf Bewährung für angemessen. © Sternitzke, Gerhard

Angespannt verfolgt der Angeklagte in Saal 121 des Landgerichts Lüneburg gestern die Plädoyers. Für den 23-Jährigen aus einem Dorf in der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf steht viel auf dem Spiel (AZ berichtete). Nachdem die Polizei seine Wohnung durchsucht und ihn kurzfristig festgenommen hat, nimmt er keine Drogen mehr und arbeitet regelmäßig. Muss er für den angeklagten Verkauf von Drogen – Haschisch, Marihuana und Amphetamine – für Jahre hinter Gitter oder belässt das Gericht es bei einem Warnschuss?

Lüneburg – Soweit jedenfalls liegen die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung auseinander. Staatsanwalt Andreas Hans addiert den Besitz einer nicht unerheblichen Menge Drogen, 31 Drogenverkäufe im Jahr 2019 in Bad Bevensen, Uelzen und Lüneburg auf eine Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren und neun Monaten. Darüber hinaus fordert er die Einziehung von 42 000 Euro, die W. durch den unerlaubten Handel eingenommen haben soll. Besonders schwer fällt für den Ankläger der Verkauf an einen damals unter 18-Jährigen ins Gewicht. „Für sich genommen schon ein schwerer Straftatbestand, der mit einem bis 15 Jahren Haft bestraft werden kann“, betont Hans.

Teil der Vorwürfe fallen gelassen

Fallen lässt er dagegen den Vorwurf, W. habe den Minderjährigen auch dazu dazu angestiftet, Drogen zu verkaufen. Dies lasse sich nicht eindeutig nachweisen – ebensowenig wie die Behauptung, der bei der Wohnungsdurchsuchung in eine Winsener Ortsteil gefundene Teleskopschlagstock sowie das Paar Schlagschutzhandschuhe habe der Angeklagte als handfeste Argumente beim Verkauf mitgeführt.

Zugunsten des Angeklagten berücksichtigt er, dass dieser einen großen Teil der Drogen für seinen Eigenkonsum gelagert habe und dass er vorher nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten sei. Zudem verweist Hans auf die positive Entwicklung: „Sicherlich kann man für den Angeklagten in die Waagschale werfen, dass es eine Zeit zurückliegt und dass er sich seitdem auf einen guten Weg gemacht hat.“

Zuvor hat der Psychiater Jürgen Schmitz sein Gutachten vorgetragen. Sicher habe W. in einem bedenklichen Maß Drogen konsumiert – von einer Drogensucht, die die Steuerungsfähigkeit beeintträchtigt, könne aber keine Rede sein. „Er hat planvoll, ergebnisorientiert gehandelt“, so der Gutachter.

Zweifel an den Zeugen

Verteidiger Rüdiger Proest zieht die Glaubwürdigkeit der an den vorausgegangenen Verhandlungstagen gehörten Zeugen in Frage. Einer von ihnen hat die Aussagen, die er im Polizeiverhör zu Protokoll gegeben hat, im Gericht widerrufen. Möglicherweise habe er, weil selbst unter Verdacht, seine Haut retten. „Wie viel er weitergegeben hat, wissen wir nicht. Das sind alles nur VErmutungen“, sagt der Anwalt. „Ich habe den Eindruck, dass dieser Satz dem Zeugen von der Polizei in den Mund gelegt wurde.“ Haschisch und Marihuana seien zudem die weichesten Drogen, die nach dem Willen der Bundesregierung sogar frei verkauft werden sollen.

Proest spricht sich für eine Haftstrafe von unter zwei Jahren aus, die dann auf Bewährung ausgesetzt werden könnte. Dabei verweist er auf die gute Prognose für den jungen Mann: „Bei alledem wissen wir, dass der Angeklagte keine Drogen mehr zu sich nimmt. Er ist auf einem guten Weg. Er hat sich von seinem Freundeskreis getrennt.“

Welcher Seite sich das Gericht unter Vorsitz von Richterin Silja Precht zuneigt, erfährt der Angeklagte erst beim letzten Verhandlungstermin am Freitag, 11. Februar.

Auch interessant

Kommentare