Über Menstruation und andere Frauensachen

Mirja Boes im Bevenser Kurhaus „Haben ist besser als brauchen“

+
Mirja Boes hat es mit dem, was unter der Gürtellinie liegt.

Bad Bevensen – 168 Zentimeter geballtes Temperament, eine Redegeschwindigkeit ohnegleichen: Mirja Boes steht am vergangenen Freitag in Bad Bevensen auf der Bühne des Kurhauses und begeistert ihr Publikum im fast ausverkauften Saal mit Lebensphilosophie, eigenen Erlebnissen und ganz alltäglichen Frauen- und Männersachen.

Boes, Jahrgang 1971, gehörte in den neunziger Jahren der Kölner Rockband „Die Fabulösen Thekenschlampen“ an, begründete ihre Karriere zu Beginn des neuen Jahrtausends als „Möhre“ mit dem Ballermann-Hit „20 Zentimeter“, in dem sie das ewige Missverständnis zwischen Mann und Frau besingt.

„Das sind nicht 20 Zentimeter, nie im Leben, kleiner Peter. 20 Zentimeter sind in Wirklichkeit viel größer.“ Im Lauf des Abends wird dies Lied von den Wildecker Herzbuben, Udo Lindenberg, Elvis Presley, Rammstein und Luciano Pavarotti parodiert.

In den fast zwei Stunden ihres Programmes breitet Mirja Boes das ganze Dilemma der Frauen aus. Breiten Raum nehmen die Themen Darmreinigung und Menstruation ein. Detailreich führt sie aus, wie sie bei einer professionellen Darmreinigung ihre Würde verliert und wundert sich darüber, dass es tatsächlich Darmreinigungs-Fanclubs gibt. „Die sagen, das entschlackt, das befreit. Denkste! Das ist Kacke.“ Wie es ihr dabei erging, löst häufige Lacher aus. Begleitet von ihrer großartig aufeinander eingespielten Band „Honkey Donkeys“ singt sie dazu passend das Lied „Mir scheint die Sonne aus dem Arsch“ von ihrer neuen CD „Auf Wiedersehen. Hallo“.

Ja, sie hat es mit dem, was unter der Gürtellinie liegt, was für die meisten tabu ist. Mirja Boes darf das, ihr kann man es nicht übel nehmen. Das kommt so kumpelhaft rüber, so „von Frau zu Frau“. Frausein – dazu gehört halt auch die Menstruation. Sie selbst, so plappert sie es ohne Hemmungen aus, habe „es“ auf der Beerdigung der Oma erwischt. Im Folgenden geht es praxisnah weiter. Und kommt auf Carl Hahn. „Der Mann war Ingenieur. Der hätte alles Mögliche erfinden können. Und was erfindet er? Den Tampon!“

Sie sucht unter den männlichen Besuchern einen mit Doppel-Vornamen und einen mit ganz kurzem Namen und wird fündig bei Jens-Daniel und Kai. „Ich pinkel deinen Namen in den Schnee“ singt sie. Sie räsoniert über Männergeschenke und Männer, die Geschenke bekommen, zählt auf, was auf ihrer Noch-zu-tun-Liste steht: im Freien übernachten, mit Delfinen schwimmen, zur Völkerverständigung beitragen. Und so versucht sie – etwas zur Verständigung zwischen Frauen und Männern beizutragen. Frauen sprechen eine andere Sprache, haben eine andere Lebensphilosophie, die darin gipfelt: „Haben ist besser als brauchen.“

VON FOLKERT FRELS

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare