Pablo Metz stellt Konzept „Reerdigung“ vor / Bevensen-Ebstorf als Pilotprojekt

Tote werden in 40 Tagen zu Humus

Humus
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Bei der Reerdigung werden Tote klimaneutral in Humus verwandelt. Pablo Metz möchte die Reerdigung als Pilotprojekt in Bevensen-Ebstorf realisieren.
  • Gerhard Sternitzke
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Reerdigung, so heißt eine mögliche Alternative zur Erdbestattung und zur Verbrennung von Toten. Der Berliner Unternehmer Pablo Metz will dazu in Bevensen-Ebstorf ein Pilotprojekt starten.

Bad Bevensen – Was passiert mit meinem Körper, wenn ich tot bin? Diese Frage stellen sich viele ältere Menschen. Bislang können sie zwischen einer Erdbestattung und der Verbrennung mit anschließender Urnenbeisetzung entscheiden. Zukünftig gibt es vielleicht eine dritte Möglichkeit. Die Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf könnte Pilotkommune für die sogenannte Reerdigung werden, wenn es nach Pablo Metz geht. Sein Konzept, bei dem der Leichnam in nur 40 Tagen zersetzt wird, stellte er am 6. Juli im Bauausschuss vor.

Mikroorganismen zersetzen im Kokon den Körper

Im Prinzip passiert bei dem Verfahren, das bereits im US-Bundesstaat Washington zugelassen ist, dasselbe wie bei einer Erdbestattung: Mikro-Organismen zersetzen den toten Körper auf natürliche Weise. In einem sogenannten Kokon, einem Edelstahlbehälter, wird er auf eine Mischung aus Holzspänen, Klee und Stroh gebettet. Hier finden die Zersetzer optimale Bedingungen vor, sodass laut Metz selbst Knochen und Zähne in Humus verwandelt werden. Dieser wird anschließend auf dem Grab deponiert. Er könnte der Nährstoff für ein Bäumchen sein, das nach vier Jahren in den eigenen Garten umgesetzt werden kann – oder für einen ganzen Erinnerungswald.

Das ist eine friedliche, bejahende Art, im Kreislauf des Lebens zu bleiben und Grundlage für neues Leben zu werden

Pablo Metz, Geschäftsführer von Circulum Vitae

„Das ist eine friedliche, bejahende Art, im Kreislauf des Lebens zu bleiben und Grundlage für neues Leben zu werden“, sagt Pablo Metz. Circulum Vitae, also Kreislauf des Lebens, hat er deshalb sein Unternehmen genannt. Den Anstoß für das neue Verfahren bekam der 40-jährige Berliner, der zuvor ein Unternehmen für Kindersicherheitsprodukte betrieb, im persönlichen Umfeld. Seine 97-jährige Großmutter mache sich viele Gedanken über den Tod. Und dann sind da die Fragen der zwei Kinder zum Klimawandel. „Man setzt sich als Familie damit auseinander, welche Welt hinterlassen wir unseren Kindern“, erzählt der studierte Betriebswirt. „Wir müssen aufhören, alles zu verbrennen, wenn wir weiterhin auf diesem Planeten leben wollen.“

Pablo Metz, Unternehmer aus Berlin, möchte in Bevensen-Ebstorf ein Pilotprojekt zur Reerdigung starten.

Was die Bestattung der Toten mit dem Klimawandel zu tun hat? Bei der Verbrennung im Krematorium wird pro Leichnam eine Tonne Kohlendioxid in die Umwelt entlassen – so viel wie bei einem Flug nach Mallorca und zurück, rechnet Metz vor. Die Reerdigung – das „Re“ steht für die Rückführung in den natürlichen Kreislauf – ist dagegen klimaneutral. In einem Mausoleum, das der Unternehmer auf einem der Friedhöfe errichten oder in einem vorhandenen Gebäude realisieren möchte, entsteht reiner, von Krankheitserregern freier Humus. Einzelne Knochenreste sollen wie bei der Verbrennung in einer kompostierbaren Urne beigesetzt werden.

Eine Tonne Kohlendioxid bei jeder Verbrennung eines Toten

Metz hat sich intensiv mit der Verbrennung auseinandergesetzt, die bundesweit bereits in 60 Prozent der Fälle gewählt wird. In den großen Städten sind es bereits 90 Prozent. „Niemand will verbrannt werden“, ist er überzeugt. Finanzielle Gründe und die Grabpflege seien ausschlaggebend.

Die Reerdigung sei deshalb auch eine soziale, gleichzeitig pietätvolle Alternative, die gewohnte Bräuche respektiere. Für die Abholung der Toten, die Trauerfeier und die Beisetzung der Reste bleiben weiterhin Bestatter zuständig.

Die Verwaltung ist grundsätzlich aufgeschlossen für das Projekt. „Die Samtgemeinde kostet das nichts“, betont Ordnungsamtsleiterin Stefanie Maus. „Dafür wären wir die Modellkommune.“ Die Samtgemeinde müsste die Friedhofsordnung für das Verfahren ändern. Der Ausschuss traf noch keine Entscheidung.

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