Gedächtnistrainerin Christiane Beyer zeigt im Kurpark, wie man den Einkaufszettel überflüssig macht

Merken mit Händen und Füßen

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Ein bisschen Botanik gefällig? Christiane Beyer (59) verteilt an die Teilnehmer des Brainwalks Blätter des Kuchenbaums. Auch der Geruchssinn hilft, sich eine Information einzuprägen.

Bad Bevensen. Die Angst nimmt Christiane Beyer den Teilnehmern gleich zu Anfang. Die Angst, zu versagen, sich vor den anderen zu blamieren. Die Führerin ist Gedächtnistrainerin, das flößt Respekt ein.

Was, wenn ich mir nicht genügend Wörter oder Zahlen merken kann? Christiane Beyer kennt diese Schwellenangst.

„Müssen muss hier keiner“, stellt die 59-Jährige mit einem Lächeln klar, bevor es vom Kurhaus in den Bevenser Kurpark geht, zum Brainwalk. Das könnte man als Köpfchen-Spaziergang übersetzen. Leistungsdruck soll es nicht geben. „Wenn es Ihnen zu anstrengend ist, sagen Sie einfach weiter“, betont die Trainerin. Um es vorwegzunehmen: Keiner der Teilnehmer macht davon Gebrauch. Was auch daran liegt, dass Christiane Beyer immer die Gruppe anspricht, nie einen Einzelnen in Bredouille bringt.

Bei den Teilnehmern handelt es sich an diesem Tag um Mitarbeiter der Bad Bevensen Marketing, Anbieterin der Führungen in der Kurstadt. Es ist einer von mehreren Proberundgängen für neue Führungen. Christiane Beyer ist unter den neuen Führern schon Profi. Sie bietet regelmäßig „Fitness für die grauen Zellen“ an. Der Walk durch den Park liegt für sie nahe, schließlich hat sie als studierte Gartenbau-Ingenieurin Bezug zu den Pflanzen.

Kuchenbaum, kaukasische Flügelnuss, kaukasische Eiche, Taschentuchbaum und Mammutbaum – das kann man sich nicht merken. Oder doch? Christiane Beyer hat kleinen Döschen mitgebracht, darin Blätter und Früchte. Tatsächlich duftet das Kuchenbaum-Blatt zum Reinbeißen. Die Teilnehmer lernen: Was man mit den Händen begreift oder mit einem Duft verbindet, bleibt eher im Gedächtnis hängen. Dazu reckt sie als weitere Merkhilfe den Mittelfinger. „Das ist unser Lebkuchenherz.“

Christiane Beyer motiviert, lockert auf, erklärt. „Wenn man nachdenkt, wird man automatisch langsamer“, weiß sie zu berichten. Und motiviert die Teilnehmer, sich den Einkaufszettel zu sparen. Die Butter auf den Fuß, die Reiswaffel auf den Oberschenkel, die Melone auf den Bauch, die Tomaten auf der Brust, die Eier auf die Nasenlöcher, die Orange auf den Kopf – die Trainerin zeigt, wie man sich eine Anzahl von Begriffen merken kann, wenn man sie mit Körperteilen verbindet.

„Es hat mir sehr viel Spaß gemacht“, sagt Björn Jüncke anschließend. So viel steht fest: Die grauen Zellen zu trainieren, kann Spaß machen.

Von Gerhard Sternitzke

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