Haft und Entzug für Raubritter

Urteil im Prozess zum nächtlichen Raub in Bad Bevensen

Der Angeklagte W. wird in den Gerichtssaal im Landgericht Lüneburg geführt.
+
Im Prozess um einen Raubüberfall in Bad Bevensen wird am 21. Juli das Urteil gesprochen.
  • Gerhard Sternitzke
    VonGerhard Sternitzke
    schließen

Für einen Raubüberfall auf einen Krankenpflegehelfer in Bad Bevensen erhalten die 34- und 30-jährigen Angeklagten mehrjährige Haftstrafen sowie die Auflage, Entziehungskuren zu absolvieren.

Lüneburg/Bad Bevensen – „Zwischen Edelmann und Raubritter ist ein schmaler Grat.“ So umschreibt am 21. Juli Richter Dr. Michael Herrmann, was sich im Januar im Bevenser Kurviertel ereignete (AZ berichtete). Die zwei Angeklagten waren nach eigenen Angaben ausgezogen, um die Ex-Freundin des Opfers zu unterstützen, die sich durch Bilder auf dessen Handy unter Druck gefühlt setzte. Es blieb jedoch nicht bei der geplanten „Ansage“, sondern der Krankenpflegehelfer wurde mitten in der Nacht übel zugerichtet. Der Arztbericht aus dem Uelzener Klinikum erwähnt zwei Platzwunden am Hinterkopf und eine Prellung am Oberkörper. Die im Landgericht Lüneburg gezeigten Fotos vom Tatort zeigen Blut auf dem Teppich und im Bad. Die beiden 34 und 30 Jahre alten Bevenser erhalten dafür mehrjährige Haftstrafen für schweren Raub in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Der Wert des Raubs in Höhe von 1200 Euro wird eingezogen.

Raub, weil bereits auf dem Weg zur Wohnung des Opfers der Entschluss gefallen sei. Eine Zeugin berichtete am Vortag von einer „Planänderung“. Die Frauen blieben draußen. Der Angeklagte W. habe gezielt nicht nur nach dem inkriminierten Handy, sondern auch nach Geld und Drogen gesucht. Die Anweisung „Schau dich um!“ habe ausgereicht.

Den 34-jährigen M. sieht das Gericht als die treibende Kraft an. Er habe das Opfer geschlagen und in Schach gehalten, der 30-jährige W. wird von einem Gutachter als Mitläufer eingeschätzt. Dennoch sei er Mittäter des Raubs. „Dass Sie von allem nichts mitbekommen haben, ist unglaubhaft“, betont Hermann. Als M. dem Opfer beim Eintreten in die Wohnung den ersten Schlag versetzte, habe er hinter ihm gestanden.

Dass M. eine Pistole als Drohmittel und Schlagwerkzeug einsetzte, davon sind die Richter überzeugt. „Ich bin der Meinung, dass der Zeuge eine Gardinenstange von einer Pistole unterscheiden kann“, erklärt zuvor Staatsanwalt Hendrik Schattka. Die Pistole soll – wie auch der Haustürschlüssel des Opfers – im Kanal gelandet sein. „Sie wollten ihm so viel Angst machen, damit er nichts sagt“, stellte Schattka klar.

Nebenklagevertreter Reiner Wilkens weist auf die psychischen Folgen für den Überfallenen hin: „Er steht immer noch unter dem Eindruck der Tat. Er traut sich nachts nicht aus der Wohnung.“

M.s Verteidigerin Wiebke Schröder spricht von falsch verstandener Ritterlichkeit. Erst vor Ort hätten die Angeklagten die Gelegenheit genutzt, sich zu bereichern. Eine Pistole sei nicht im Spiel gewesen. „Eine Waffe ist auch nicht gefunden worden, auch nicht im Kanal.“

W.s Verteidiger Rüdiger Proest betont, sein Mandant habe nicht Geld, sondern das Handy mit dem Foto gesucht. Die Gewalt sei ihm nicht zuzurechnen: „Er hatte keine Kenntnis.“

Beim Urteil – vier Jahre und sechs Monate Haft für M. und für W. drei Jahre und neun Monate – berücksichtigte das Gericht die Geständnisse und die möglicherweise durch Alkohol und Drogen eingeschränkte Steuerungsfähigkeit. Beide Haftstrafen sind mit einer Entziehungskur verbunden. Richter Herrmann redete beiden Angeklagten, die bereits zehn beziehungsweise elf Vorstrafen haben, ins Gewissen, diese vielleicht letzte Chance zu nutzen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare