AZ-Interview: Dr. Wally Wünsch-Leiteritz spricht über Essstörungen und „diäteln“

Mehr als die Zahl auf der Waage...

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85 Prozent der Frauen sind mit ihrem Körper unzufrieden – Fachärztin Wally Wünsch-Leiteritz sieht einen Grund dafür in dem durch die Medien transportierten Schönheitsideal.

wb Bad Bevensen. Zwar drängt sich der Gedanke an Bademode angesichts der Minustemperaturen noch nicht jedem auf – aber der Kalender zeigt es: Frühling und Sommer sind nicht mehr weit.

Damit haben nicht nur Fitnesstudios und Modezeitschriften Hochkonjunktur, sondern auch die skeptischen Blicke in den Spiegel. Den Unterschied zwischen typischem „Herumdiäteln“, wenn die Temperaturen steigen, und einer ernstzunehmenden Essstörung kennt Dr. Wally Wünsch-Leiteritz genau. Die leitende Oberärztin der Bad Bevenser Klinik Lüneburger Heide ist Expertin für Essstörungen und deren psychologische Begleiterscheinungen. Kürzlich wurde sie in der Focus-Bestenliste ihres Faches aufgeführt. In der AZ spricht sie über Schönheitsideale und das Verhältnis zum eigenen Körper.

Bis zu 85 Prozent der Frauen in Deutschland sind mit ihrem Körper unzufrieden – eine Zahl, die erschreckt. Doch nicht jeder ist gefährdet, eine Essstörung auszubilden. „Wer einigermaßen zufrieden ist mit sich, kann auch eine Diät machen. Er wird zwar ein paar Kilogramm abnehmen, aber immer dann aufhören, wenn er das erreicht hat, was er sich vorgenommen hat und oft die Erfahrung machen, dann auch schnell wieder zuzunehmen. Er lernt dann hoffentlich daraus, dass es keine dauerhaft wirksame Diät gibt, sondern nur eine generelle „Lifestyle“-Änderung, wenn tatsächlich etwas geändert werden soll“, erklärt die Fachärztin. „Problematisch kann es für diejenigen werden, die ein schlechtes Selbstwertgefühl haben oder in ihrer Persönlichkeit noch nicht gefestigt sind, also auch diejenigen, die noch sehr jung sind. Wir beschreiben es so: eine Persönlichkeit zu haben ist viel mehr als die Zahl auf der Waage, das Gewicht ist nur ein kleiner Teil davon. Was mich als Person ausmacht, ist mein Platz im Leben, meine Beziehungen, mein Job, mein Zuhause... Meine Wertigkeit und Wichtigkeit als Mensch also von meinem Gewicht abhängig zu machen, ist unsinnig.“

Der Unterschied zwischen „eine Diät machen“ und eine Anorexie entwickeln sei, dass diejenigen, die eine Diät machen unter dem Hungern leiden, Anorexien erst einmmal nicht. „Sie bekommen durch das Hungern unangenehme Gefühle in den Griff und können dann nicht mehr damit aufhören, auch wenn sich unangenehme Folgen einstellen. Das Hungern hat bei den von einer Essstörung Betroffenen die Funktion innere Stabilität herzustellen, die anders nicht erreicht werden kann. Aber zwischen Diäten und echten Essstörungserkrankungen liegen Welten. Nicht jeder kann eine Essstörungserkrankung entwickeln, dazu braucht es die genetischen Voraussetzungen und auch einen gewissen eher unflexiblen, sehr strikten Denkstil sowie weitere Persönlichkeitsfaktoren“, erklärt Wünsch-Leiteritz.

Das ausführliche Interview lesen Sie in der gedruckten Ausgabe oder in unserem E-Paper.

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