Bevenser Bürgerbeteiligung: Kontroverse Diskussion über Parkgebühren

Mehr Kreativität gefragt

Bad Bevensen. „Wir wollen Ihre Meinung hören“, hatte Bad Bürgermeister Martin Feller (Grüne) eingangs die rund 80 Gäste des Bürgerbeteiligungsabends im Kurhaus begrüßt. Und er bekam deren Meinung zu hören.

Denn der Plan, fast alle Parkplätze der Bad Bevenser Innenstadt mit Gebühren zu belegen (die AZ berichtete), stößt bei vielen auf wenig Gegenliebe.

Juliane Rudert und Rainer Dargel vom Planungsbüro PGV aus Hannover erläuterten die geplante Bewirtschaftung der Bevenser Parkplätze. So sollen durch Gebühren auf bislang gebührenfreien Parkplätzen 75 000 Euro ins Stadtsäckel fließen, durch die Reduzierung der „Brötchentaste“-Zeit von 30 auf 15 Minuten 11 000 Euro Mehreinnahmen erzielt und durch eine Gebührenerhöhung auf dem Göhrdeparkplatz 23 000 Euro zusätzlich eingenommen werden.

Uwe Winter, Geschäftsführer der Bevenser Kurgesellschaft, warnte davor, dass man mit einer Parkgebühr Kunden vergraule. „In Ihrer Kalkulation wurde nicht berücksichtigt, dass dann 5000 Gäste in der Therme und damit 50 000 Euro fehlen“, monierte er und mahnte ein etwas kreativere Gebührenerhebung an. Es sei fatal, wenn der Bevensen-Gast gleich zweimal ins Portmonee greifen müsse – erst auf dem Parkplatz und dann nochmals in der Therme. Stattdessen sollte man die Gebühren lieber in den Eintrittspreis der Therme verpacken. Ein Argument, das die Planer aufnahmen und in einer Überarbeitung berücksichtigen wollen, wie sie versprachen. „Es sind ja alles nur Vorschläge, das Ausloten von Möglichkeiten“, versuchte Rainer Dargel die teils erhitzten Gemüter etwas zu beruhigen.

Während die Einzelhändler der Innenstadt, wie berichtet, in Sorge sind, dass sie durch eine Verkürzung der „Brötchentaste“-Parkdauer auf 15 Minuten abgestraft werden könnten, befürchten Anlieger – vor allem vom Birkenweg und Alten Wiesenweg – dass eine Erweiterung der Parkgebühren die Verdrängung des ruhenden Verkehrs vor ihre Haustüren zur Folge hat. Die Parksituation dort sei jetzt schon angespannt und „eine Katastrophe“, berichteten Betroffene am Bürgerbeteiligungsabend. Rainer Dargel weiß um dieses Problem und merkte an, dass auch hier die Einführung von Parkgebühren oder eine Parkscheibenregelung „durchaus eine Option“ sei. Allein am Wiesenweg würden die geschätzten Mehreinnahmen wohl 10 000 Euro betragen.

Carsten Münch, Veranstalter der Bevenser „LandArt“-Märkte, kritisierte, dass die Parkraumbewirtschaftung kontraproduktiv sei, wo sich die Stadt gerade erst positiv entwickele und es eine Reihe von belebenden Initiativen gebe. Weitere Parkgebühren würden die Menschen nur „frustrieren und vertreiben“.

Bürgermeister Martin Feller betonte derweil mehrfach, dass man nicht umhin kommen werde, in diesem Jahr 100 000 Euro Mehreinnahmen zu erzielen. So nämlich ist es im Zukunftsvertrag mit dem Land Niedersachsen vereinbart worden – eine Auflage, damit die Stadt, wie berichtet, 75 Prozent ihrer Kassenkredite erlassen bekam. „Ich bin auch kein Parkgebühren-Fetischist“, betonte Feller, „und wenn jemand eine bessere Idee hat, wo die 100 000 Euro herkommen können – herzlich gern. Aber eines ist sicher: Diese 100 000 Euro werden von den Bürgern und Gästen bezahlt werden müssen.“

Die verschiedenen Anregungen des Abends sollen nun von der Politik bewertet und beraten werden.

Von Ines Bräutigam

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