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Mehr als Computerspiele: Sechstklässler der KGS Bad Bevensen programmieren Mähroboter

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Schüler mit Computerspiel in der KGS Bad Bevensen.
Jyomejn mit Computerspiel. Jens Dymke, Fachbereichsleiter Informatik: „Wir brauchen Informatik als Unterrichtsfach, weil die Schüler im Berufsleben in der Zukunft immer mehr mit der Digitalisierung konfrontiert werden.“ © Sternitzke, Gerhard

Nach Schule sieht das nicht aus. Auf den Bildschirmen im Keller der Kooperativen Gesamtschule Bad Bevensen (KGS) laufen Computerspiele. Ein Mähroboter bahnt sich nach den Vorgaben der 13 Sechstklässler einen Weg durch den Garten. Oder sie betätigen mit der Maus die Schaltung, damit ein Radfahrer über den Berg kommt. „Das ist eine Vorstufe zum Programmieren in der neunten und zehnten Klasse“, erklärt Fachbereichsleiter Informatik Jens Dymke. „Das kriegen sie nicht mit, weil groß Spielen darüber steht.“ Ab dem nächsten Schuljahr ist Informatik an niedersächsischen Schulen in der zehnten Klasse Pflichtfach, 2024 folgen die neunten Klassen.

Bad Bevensen – Jyomejn schichtet auf dem Bildschirm Dreiecke in eine Form. „Es geht immer schwieriger, bis man es nicht mehr schafft“, erklärt der Zwölfjährige, der sich wie die anderen gegen Geschichte und Französisch entschieden hat. „Ich fand Computer so cool“, sagt Jyomejn. „Ich habe mich sofort für Informatik entschieden. Ich habe es nicht bereut.“ Und für später einmal im Berufsleben sei es sicher von Nutzen.

Schüler verstehen, wie Prozesse ablaufen

Was haben die Spiele also mit dem Programmieren zu tun? Statt Steuerbefehlen gehorcht Mähroboter „Roberta“ den Eingaben der Schüler mit Pfeiltasten. „Die Kinder lernen, mit vorgegebenen Werkzeugen Probleme zu lösen“, erklärt Lehrer Dymke, der außer Informatik Mathe und Physik unterrichtet. „Die Kinder müssen verstehen, wie Prozesse ablaufen.“

Ursprünglich wollte die KGS als Pilotschule den Pflichtunterricht in Klasse zehn testen. Das scheiterte jedoch daran, dass es im Keller nur 15 Computer gibt. Zum nächsten Schuljahr steht dann ein neuer Computerraum im Container zur Verfügung. Dymke ist zudem an der schulübergreifenden Erarbeitung des Lehrplans für das Pflichtfach Informatik beteiligt.

Vorbereitung auf digitalisierte Arbeitswelt

„Wir brauchen Informatik als Unterrichtsfach, weil die Schüler im Berufsleben in der Zukunft immer mehr mit der Digitalisierung konfrontiert werden“, betont der 54-Jährige. „Es wird Arbeitsplätze geben, die wir uns noch gar nicht vorstellen können. In Zukunft wird immer mehr darüber laufen, dass Prozesse automatisiert ablaufen. Die Kinder müssen verstehen, wie diese Prozesse ablaufen“, betont Dymke. Schon heute arbeiten Handwerker an computergesteuerten Maschinen. Mitarbeiter im Baumarkt müssen manchmal Mähroboter programmieren können.

Vom Land ist eine Stunde wöchentlich für den Informatikunterricht vorgesehen. In der KGS wird das Fach ein Halbjahr lang in Doppelstunden unterrichtet. „Bei Informatik geht es nicht nur um Programmieren“, stellt der Pädagoge klar. „Der Aufbau von Computersystemen, Verschlüsselung, Problemlösen sowie Datenschutz und Datensicherheit spielen ebenfalls eine große Rolle.“

Schüler bauen Alarmanlage für die Federtasche

Dabei geht es durchaus auch ganz praktisch zu. Die Zehntklässler erstellen ein Quiz zur Computerkompetenz, programmieren einen Mikroprozessor als Alarmanlage für die eigene Federtasche oder sie bauen einen Temperaturfühler, mit dem die Schüler selbst feststellen können, ob im Sommer die Temperatur für Hitzefrei erreicht ist.

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