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Brandstiftung in Rohrstorf: Psychiatrischer Gutachter empfiehlt stationäre Unterbringung

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Landgericht in Lüneburg
Im Landgericht Lüneburg wird gegen einen 62-Jährigen wegen Brandstiftung in Rohrstorf verhandelt. © Brand, Theresa

Eine Klinik ist keine Haftanstalt: Mit diesen Worten soll sich die Psychiatrische Klinik Uelzen über ihren Patienten K. beschwert haben. Er habe sich aggressiv gegenüber dem Personal verhalten und Feuer gelegt. Die Eingabe gibt der Sachverständige Jürgen Schmitz im Landgericht Lüneburg wieder.

Lüneburg/Rohrstorf – Gestern trägt er dort sein Gutachten im Sicherungsverfahren gegen K. vor, der im vorigen Jahr in Rohrstorf unter anderem ein Nebengebäude seiner Ex-Freundin angezündet und einen Stein ins Fenster des Wohnhauses geworfen haben soll (AZ berichtete). Der 62-Jährige ist jetzt in der Psychiatrischen Klinik in Lüneburg in einer geschlossenen Station untergebracht. Der Psychiater empfiehlt eine stationäre Unterbringung.

Taten symptomatisch für manisch-depressive Erkrankung

„Wenn man das aus psychiatrischer Sicht zusammenfasst, dann komme ich zu der Einschätzung, dass von einer aufgehobenen Steuerungsfähigkeit auszugehen ist“, gibt Schmitz zu Protokoll. „Aufgrund der dauerhaften Veränderungen besteht Wiederholungsgefahr.“ Die in der Anklage aufgeführten Taten – unter anderem soll der frühere Uelzener Rechtsanwalt das Auto seines Nebenbuhlers mit einem geliehenen Mercedes weggeschoben und der Mitarbeiterin in der Autovermietung mit einem erhobenen Stein gedroht haben – seien symptomatisch für die manisch-depressive Grunderkrankung, die sogenannte bipolare Störung.

Früherer Anwalt verklagt ehemaligen Kollegen auf 28 Millionen Euro Schadensersatz

Die Krankenakten belegen seit 2004 wiederkehrende Klinikaufenthalte zunächst wegen Depressionen. K. muss 2012 seine Kanzlei in Uelzen aufgeben. In den manischen Phasen ist er euphorisch, manchmal auch aggressiv. Von einem Aufenthalt 2018 heißt es, K. leide unter Verfolgungsideen. Er habe seine Medikamente abgesetzt und das Krankenhaus gegen ärztlichen Rat verlassen. Damals verklagt er einen Rechtsanwaltskollegen auf 28 Millionen Euro Schadensersatz und kauft sich eine Plastikpistole. Damals gibt es laut Gutachter bereits polizeiliche Ermittlungen gegen K., die jedoch eingestellt werden.

Rückfall zu erwarten

Der Gutachter erlebt ihn bei einem ersten Treffen als wahnhaft, aber nicht völlig von der Realität abgekoppelt. K. habe seine Ex-Frau aus den Fängen einer Drogenmafia holen wollen. Auch im Vorfeld der Ereignisse in Rohrstorf habe er seine Medikamente teilweise abgesetzt. Ein Rückfall sei auch in Zukunft zu erwarten.

Verteidiger Rüdiger Proest bringt eine ambulante Therapie ins Gespräch. „Es ist die Frage, ob man nicht auch mit milderen Mitteln das Ziel erreicht“, gibt der Rechtsanwalt zu bedenken. K. selbst hat eingeräumt, manisch-depressiv zu sein. Auch einen Teil der Taten hat er eingeräumt. Den Brand habe er jedoch nicht gelegt, ihm sei eine Kerze aus der Hand gefallen. Er fragt nun, ob man denn alle Menschen mit seiner Erkrankung „wegsperren“ würde.

Gutachter Schmitz betont, dass neben den Medikamenten und einer Psychotherapie auch ein Rückfallvermeidungsplan erarbeitet werden müsse. „Die Einschätzung ist nicht, dass Sie eingeschlossen werden sollen, sondern Sie brauchen über die Medikation hinaus Behandlung, damit Sie die Erkankung in den Griff bekommen“, erklärt Schmitz. K. sei behandlungsbereit. Die Unterbringung könne später schrittweise geöffnet werden. stk

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